Platz statt Parkplatz
Im Dezember 2025 war unsere Aktivistin Heidi Putz in Paris unterwegs. Sie erlebte eine Stadt, die den öffentlichen Raum radikal neu verteilt hat und damit eine unvergleichliche Lebensqualität schafft.






Paris erobert den öffentlichen Raum zurück – und so ist es gelungen:
Zunächst:
Es gibt kaum Parkplätze im öffentlichen Raum!
Das ist sehr angenehm, wenn man zu Fuß unterwegs ist. Und das sind in Paris unglaublich viele Menschen. Denn üblicherweise werden auch weite Strecken zu Fuß zurückgelegt, und zwar sowohl von Einheimischen als auch von den vielen Besucher:innen. Wie schön ein Straßenraum ohne Autos ist!
Mit diesen Maßnahmen hat die Stadt den Weg freigemacht für die Zu-Fuß-Gehenden:
- Die Parkgebühren betragen je nach Lage bis zu 6 Euro pro Stunde, bis zu 10 Euro für Touristen*innen. Für SUVs (Quelle: adac. de) betragen die Kosten fürs Parken seit Herbst 2024 für 4 Stunden 117, für 6 Std. sind 225 Euro fällig. Auch die Überschreitung der Parkdauer wird sehr hoch bestraft, etwa mit 75.- Euro in den Innenbezirken. Kostenfrei ist Parken nur am Sonntag und in der Nacht.
- Parken in Tiefgaragen ist damit die billigere Option,
- Kleine Nebengassen sind zum Teil ganz für Autos gesperrt.
- Plätze sind Versammlungsorte oder es werden Gärten auf Plätzen angelegt, etwa der Platz- Garten zur Erinnerung an die Opfer des Anschlags auf das Bataclan.
Dann:
Das schnellste Verkehrsmittel – abgesehen von der Metro – ist das Fahrrad.
Entlang der Seine vom Museum Quai Branly bis zu Notre Dame braucht man mit dem Fahrrad 17 Minuten, mit dem Bus 35 Minuten, wenn er überhaupt bis dorthin fährt. Baustellen und Staus machen das Weiterkommen mit dem Bus und dem Auto sehr mühsam.
Es gibt nur wenige Straßenbahnen – im Neubaugebiet allerdings alle mit eigenem Gleiskörper.
Die Radwege sind breit und attraktiv. Ein Großteil der Fläche im öffentlichen Raum entfällt auf Fahrradwege und Gehsteige, je weiter in der Innenstadt desto breiter werden diese.
Fahrradwege auf Gehsteigen, das gibt es in der Innenstadt – wie z.B. in Wien am Ring – gar nicht. Allerdings werden Straßen (dort wo bei uns Autos fahren) etwa im Marais von Fußgängern und Radfahrenden intensiv und gemeinsam genutzt. Man muss sich als Fußgängerin darauf einstellen, dass der Radverkehr dominant ist. Besonders angesichts der Tatsache, dass Ampelregelungen eher als Empfehlungen aufgefasst werden.
Für Autos steht etwa ein Drittel, manchmal ein Viertel der Fläche zur Verfügung.
Dass am Ufer der Seine vor nicht allzu langer Zeit der Autoverkehr durchgequetscht wurde, das kann man sich gar nicht mehr vorstellen. Jogging ist äußerst beliebt und die Seineufer und große Parks bieten dafür gut Platz.
Schließlich:
Im neu bebauten Stadtgebiet Batignolles/ Clichy wurde im Zuge der Nachnutzung eines ehemaligen Bahnhofgeländes zuerst ein sehr großer Park, der Martin- Luther- King-Park, errichtet, dann mit dem TRIBUNAL, dem Justizpalast, ein Prestigebau hingesetzt, der für eine Durchmischung der Milieus sorgt.
Gleich neben dem Tribunal befindet sich ein kultureller Treffpunkt, das Odeontheater. Das Wohnen rund um den großen Park ist attraktiv, Joggen und Picknick inklusive.
Heidi Putz