gemeinsame Ordination statt Einzelpraxis

Die pensionsbedingte Schließung einer Arztpraxis in der Nordrandsiedlung hat zu großer Aufregung geführt. Der Bezirksvorsteher lud die Fraktionen nun zu einem gemeinsamen Gespräch mit der Österreichischen Gesundheitskasse.

Bezirksrat Alexander Polansky zeigt das Gebäude in der Gerasdorfer Straße 332, in dem die Gruppenpraxis zu einem Primärversorgungszentrum erweitert werden soll.
Die Ordination hat künftig mindestens 50 Stunden pro Woche geöffnet.
Künftig gibt es hier drei statt zwei praktische Ärzt:innen.

Aufgrund der großen Resonanz auf den Zeitungsartikel zur Auflassung einer Arztpraxis in der Nordrandsiedlung lud der Bezirksvorsteher am 16. August 2022 zu einer Sondersitzung mit zwei Vertreter:innen der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), um hier Informationen aus erster Hand zu bekommen. Von den neun Parteien in der Floridsdorfer Bezirksvertretung sind insgesamt vier der Einladung des Bezirksvorstehers nachgekommen: SPÖ, ÖVP, FPÖ und wir GRÜNE.

Neues in der Nordrandsiedlung

Folgendes ist in der Nordrandsiedlung tatsächlich geplant:

Der praktische Arzt Dr. Kellner ist an seinem Standort in der Aistgasse am Freitag 12.08.2022 in Pension gegangen. Ein anderer praktischer Arzt, der am Kreisverkehr Gerasdorfer Straße Nr. 332 an der Stadtgrenze zu Gerasdorf schon seit einiger Zeit eine Gruppenpraxis betreibt, möchte diese zu einem Primärversorgungszentrum (PVZ) ausweiten.

Primärversorgungszentren werden von der ÖGK in Abstimmung mit der Ärztekammer und der Stadt Wien (MA 24) eingerichtet. Man kann sich ein PVZ als Gruppenpraxis vorstellen, wo zumindest drei praktische Ärzt:innen tätig sind. Diese haben verpflichtend zumindest 50 Stunden in der Woche geöffnet. Im Vergleich dazu müssen Kassenärzt:innen mindestens 20 Stunden in der Woche offen haben.

Das bedeutet, dass in der Gruppenpraxis in der Nordrandsiedlung ein weiterer Arzt/Ärztin aufgenommen wird. Die Ausschreibung dafür erfolgte im Mai 2022. Sobald alle formellen Schritte erfolgt sind, kann das PVZ mit Quartalsbeginn starten, entweder schon mit 01.10.2022 oder mit 01.01.2023.

Bei neuen Ausschreibungen werden laut ÖGK zu 90% die bestehenden Ordinationen NICHT übernommen, vor allem, weil sie nicht barrierefrei sind. Besonders die alten Gemeindebauten in Floridsdorf sind oft sehr verwinkelt, der Lift fährt nicht immer bis ins richtige Stockwerk oder startet nicht im Erdgeschoss, usw.

Zudem sei laut ÖGK die Bevölkerungsdichte am Standort von Dr. Kellner in der Aistgasse nicht gegeben, deswegen wurde auch nicht nachbesetzt. Das geplante PVZ am Kreisverkehr ist etwa ca. 10 Gehminuten von der aufgelassenen Ordination von Dr. Kellner entfernt.

Gesundheit in ganz Floridsdorf

Das Gespräch mit den beiden Vertreter:innen der ÖGK wurde von den anwesenden Vertreter:innen aus der Politik auch gleich genutzt, um weitere Gesundheitsthemen in Floridsdorf zu besprechen. Thematisiert wurde die ärztliche Situation in ganz Floridsdorf, sowie der Fachärzt:innen-Mangel in mehreren Sparten, insbesondere bei den Kinderärzt:innen.

Ebenfalls besprochen wurde die Tatsache, dass immer weniger praktische Ärzt:innen Hausbesuche durchführen würden, was von vielen Bezirksbewohner:innen beklagt wird. Laut der ÖGK soll das in den Primärversorgungszentren grundsätzlich leichter möglich sein. Dort können im Zuge der Gruppenpraxis besser Hausbesuche gemacht werden, weil die Ordination trotzdem besetzt bleibt und der Betrieb weitergeht.

Zuletzt wurden auch Neuerungen und Trends thematisiert, wie etwa Konsultation und Beratung per Telefon oder Video, die jetzt auch möglich sind und von den Ärzt:innen an die ÖGK verrechnet werden können.

Aus grüner Sicht

Was die Nordrandsiedlung betrifft, wird es also künftig gleich viele praktische Ärzt:innen geben wie bisher – allerdings nicht am gleichen Standort und anders organisiert. Diese Änderung bringt für alle den Vorteil von wesentlich umfangreicheren Öffnungszeiten, aber für manche Personen den Nachteil eines deutlich längeren Fußwegs. Die Lücke, die Dr. Kellner durch seine Pensionierung als beliebter Hausarzt hinterlässt, ist daher in erster Linie eine menschliche, aber keine medizinische.

In jeden Fall halten wir Grüne in solchen Fällen einen persönlichen fachlichen Austausch für eine gute Sache, insbesondere bei wichtigen Themen wie der Gesundheit. Das dient einerseits zur inhaltlichen Information und bietet andererseits eine gute Möglichkeit, konkrete Probleme gleich direkt bei den richtigen Ansprechpartner:innen anzubringen!

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