Aufbäumen für Floridsdorf

Floridsdorfer Bürger:innen fordern bei Gesprächsforum stärkeren Baumschutz

Unser Gesprächsforum „Aufbäumen“ am 1. Juni 2023 mit Umweltreferent Rupert Fellinger und Haroun Moalla, stv. Bezirksvorsteher aus dem 15. Bezirk.
Dieser Baum steht in einer Großbaustelle in der Gerasdorfer Straße. Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass Bäume bei beginnender Bautätigkeit „plötzlich erkranken“. Dadurch erspart sich der Bauträger Kosten und Ersatzpflanzungen.
In der Dr.-Albert-Geßmann-Gasse wurde vor kurzem ein radikaler Baumschnitt mit Kappung der Baumkrone durchgeführt. Das Baumschutzreferat der Stadt Wien begründet das mit tiefreichenden Faulstellen durch den Zunderschwamm. Oftmals führen aber auch Haftungsfragen zu übermäßigen Sicherheitsschnitten.
Dieses Bäumchen wurde letztes Jahr in der Großfeldsiedlung gepflanzt. Es hat nicht lange überlebt. So etwas ist leider kein Einzelfall.
Liegewiese an der Oberen Alten Donau. Seit letzten Sommer zeigte sich zunehmende Braunfärbung bei drei Nadelbäumen. Jetzt wurden sie gefällt. Der Klimawandel erfordert entsprechende zusätzliche Maßahmen für unsere Bäume.

Unter reger Beteiligung von interessierten Bürger:innen wurde am Donnerstag, 1. Juni 2023 im Salon „Aquarium“ in der Autofreien Siedlung über den Schutz der Floridsdorfer Bäume diskutiert. Wir Floridsdorfer Grüne luden zwei Experten zum Gespräch ein: den Umweltreferenten der Wiener Grünen im Rathaus, Rupert Fellinger, und den Agrarökonomen und stv. Bezirksvorsteher aus Rudolfsheim-Fünfhaus, Haroun Moalla.

Mehr Schutz für unsere Stadtbäume!

Die Experten waren mit den Gästen einig, dass das Wiener Baumschutzgesetz, das in seinem Kern aus dem Jahr 1974 stammt, angesichts der Klimakrise in einigen Punkten an die heutige Situation angepasst werden sollte:

  • Es braucht mehr Transparenz: Die Öffentlichkeit sollte verpflichtend über geplante Baumfällungen und die Gründe dafür vor informiert werden!
  • Wenn Bäume erkranken, sollen zuerst alle Möglichkeiten zur Heilung der Krankheiten und zur Rettung der Bäume versucht und dokumentiert werden!
  • Bei geplanten Bauprojekten sollen auch Bäume, die aufgrund von nicht heilbaren Erkrankungen gefällt werden müssen, nicht nur 1:1 ersetzt werden, sondern ein neuer Jungbaum pro 15 cm Stammumfang – das ist auch bei gesunden Bäumen jetzt schon verpflichtend.
  • Etwaige Ausgleichsabgaben müssen an die realen Kosten einer Baumpflanzung im städtischen Raum (inklusive der Kosten für die Errichtung einer Baumscheibe) unter den heutigen Bedingungen angepasst werden.

zusätzliche Maßnahmen für unsere Bäume

Darüber hinaus wurden von den Experten und von den Gästen aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre zusätzliche Maßnahmen gefordert, um unseren Baumbestand unter den erschwerten klimatischen Bedingungen möglichst gut zu pflegen:

  • Baumscheiben, die in der Vergangenheit zu klein angelegt wurden, werden an manchen Orten nach Maßgabe der Möglichkeiten vergrößert. Das sollte verstärkt umgesetzt werden.
  • Die Baumschnittpraxis sollte evaluiert und angepasst werden.
  • Zum Gießen von Bäumen sollte verstärkt Regenwasser und „Grauwasser“genutzt werden.
  • Wichtig sind standortgerechte Baumpflanzungen für optimalen Baumwuchs.
  • Bei Bauprojekten sollte ein Monitoring der Baumschutzmaßnahmen und auch von Pflegemaßnahmen bei Ersatzpflanzungen verpflichtend werden.
  • Der Baumkataster sollte eine genaue Dokumentation des Zustandes, der Bedingungen und der jeweils gesetzten Maßnahmen enthalten, wie das zum Beispiel in Langenzersdorf bereits praktiziert wird.
  • Haftungsfragen müssen so gestaltet sein, dass sie nicht zu einem übermäßigen „Sicherheitsschnitt“ motivieren.
  • Die MA42 ist an ihren Kapazitätsgrenzen angelangt und braucht dringend mehr personelle Ressourcen für qualitätsvolle Baumpflege in der Stadt.

Als wichtige Richtlinie zum Schutz unseres Baumbestandes wurde mehrmals die „Österreichische Baumkonvention“ (https://baumkonvention.at/) genannt.

Nach Abschluss des offiziellen Teils wurden die Gespräche über die unterschiedlichen Erfahrungen in Floridsdorf, Donaustadt, Brigittenau, Rudolfsheim-Fünfhaus und Langenzersdorf bei einem kleinen Imbiss und Getränken fortgesetzt.

Wir Floridsdorfer Grünen bleiben an diesem wichtigen Thema dran und werden in Zukunft verstärkt Anfragen in der Bezirksvertretung stellen, um Transparenz in der Praxis des Baumschutzes herzustellen.

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