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am 24. September

100 Jahre Frauenwahlrecht

Brigitte Parnigoni - Mit dem Ende des ersten Weltkriegs und der Ausrufung der ersten Republik 1918 wurde in Österreich das aktive und passive Wahlrecht für Frauen eingeführt.

Wahltag 16. Februar 1919

Das Jahr 2018 ist ein Gedenkjahr in vielerlei Hinsicht: So erinnern wir uns etwa an das Revolutionsjahr 1848, an das Ende des ersten Weltkrieges und die Ausrufung der ersten Republik am 12. November 1918, an den Anschluss und das Novemberpogrom 1938 und an die 1968er-Bewegung. Nicht zuletzt gibt es heuer seit 100 Jahren das Wahlrecht für Frauen!


Das Frauenwahlrecht war nicht nur eine Folge der politischen Situation jener Zeit; es wurde vor allem von jenen Frauen errungen, die ihren Kampf um Teilhabe und politische Mitsprache unerbittlich führten. Nachdem sich die ersten Frauenvereine bereits im Zuge der bürgerlichen Revolution 1848 gebildet hatten entwickelte sich Ende des 19. Jahrhunderts auch eine politische Frauenbewegung, die Gleichberechtigung und Partizipation zum Thema machte.​

In Artikel 9 des am 12. November beschlossenen Gesetzes über die Staats- und Regierungsform des neuen Staates Österreichs wurden die Grundsätze des Wahlrechts für die zu wählende konstituierende Nationalversammlung festgelegt. Sie sollte "auf der Verhältniswahl und auf dem allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Stimmrecht aller Staatsbürger ohne Unterschied des Geschlechts" beruhen. Das Wahlalter wurde auf 20 Jahre festgelegt, das passive Wahlrecht erlangten Männer wie Frauen mit 29 Jahren. Prostituierte waren bis 1923 vom Wahlrecht ausgenommen.​

Erstmals durften Frauen dann am 16. Februar 1919 bei den Wahlen zur konstituierenden Nationalversammlung tatsächlich wählen. Die Wahlbeteiligung der Frauen lag bei über 82 Prozent und damit nur knapp unter jener der Männer mit 87 Prozent. Allerdings waren in der ersten Nationalversammlung nur acht der insgesamt 170 Abgeordneten weiblich.

Während Frauen in der ersten Republik und auch in der zweiten bis in die 80er-Jahre hinein mehr als Männer konservativ wählten, änderte sich das durchschnittliche Wahlverhalten einerseits mit dem Vormarsch der rechtsorientierten Parteien, die überproportionale Zustimmung von Männern erhielten, andererseits mit dem Antreten der Grünen Alternative: Die Grünen maßen Gleichberechtigung von Frauen und Männern in ihrer Wahlwerbung von Anfang an größere Bedeutung bei und führten damit eine Trendwende herbei. Das tradierte Rollenbild von Frauen und Männern wurde von den Parteien und v.a. von den Wählerinnen vermehrt hinterfragt.

Wie sieht es nun 100 Jahre nach der Einführung des Frauenwahlrechtes mit der Partizipation und der Gleichstellung beider Geschlechter aus? Wie steht es um das Selbstverständnis unserer Demokratie, wenn die Bedrohung, dass gut 50 Prozent der Bevölkerung in Entscheidungsgremien und -strukturen wieder zunehmend unterrepräsentiert sind, stetig steigt? Wenn ewiggestrige Argumente ausgegraben werden, dass eine politische Tätigkeit mit der "weiblichen Natur" nicht vereinbar sei, dass wichtige Aufgabengebiete wie Familie und Haushalt von Frauen (!!!!) nicht vernachlässigt werden dürften? Wenn Ressourcen gestrichen werden, die Frauen die politische Teilhabe ermöglichen würden?

Das sind die Fragen, denen wir uns stellen müssen: Bestimmt wird das Frauenwahlrecht an sich nicht mehr in Frage gestellt; vielmehr geht es darum, mit einer paritätischen Repräsentanz von Frauen in allen Gremien, auf allen Ebenen, in Parlamenten und Führungsetagen die Intention des gleichen Wahlrechtes für alle zu erfüllen. Wo bleibt unsere erste Bundeskanzlerin, unsere erste Bundespräsidentin?

"Jede Frauengeneration, die gewonnene Rechte nicht verteidigt hat und neue nicht erobern wollte, hat schon ein Stück von ihnen verloren." Dieser Satz der deutschen Schriftstellerin Marielouise Janssen-Jurreit ruft uns auf, nicht wegzuschauen, nicht untätig zu bleiben!

Die Grünen Frauen Wien haben ihre Herbstarbeit dem Schwerpunktthema 100 Jahre Frauenwahlrecht gewidmet. Dazu gibt es am 16. Oktober eine nächste Veranstaltung:

Filmabend zum Kampf ums Frauenwahlrecht "Suffragette - Taten statt Worte"

Dienstag, 16. Oktober, 18.00 Uhr, Admiral Kino, 1070 Burggasse 119

Weiters sollen Frauen auf ihrem (politischen) Karriereweg unterstützt werden: Unter dem Titel "Empowerment von Grünen Frauen" werden 15 Module angeboten, um sie auf zukünftige Aufgaben wie eine Kandidatur, ein Mandat, eine Funktion vorzubereiten. Informationen unter gruene.frauen.wien@gruene.at