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am 31. Oktober

"Niemals vergessen" in Floridsdorf

Brigitte Parnigoni - Im Gedenkjahr 2018, in dem sich grauenvolle Ereignisse wie der "Anschluss" Österreichs ans Deutsche Reich im März und die Reichpogromnacht im November 1938 zum 80. Mal jähren, finden auch in Floridsdorf eine Reihe von Gedenkveranstaltungen statt. Unser Bezirksrat Gerhard Jordan ist an einigen davon maßgeblich beteiligt.

Enthüllung einer Gedenktafel                                                                                   

Am 23. Oktober wurde das Gedenken an die schrecklichen Ereignisse von damals mit einer ganzen Reihe von Veranstaltungen begangen.

Bereits am Vormittag wurde an einer Außenmauer des Nebenlagers Floridsdorf in der Hopfengasse eine Gedenktafel für die dort ermordeten, zum Großteil politischen Häftlinge angebracht. Weit über 2.000 KZ-Häftlinge wurden in einem Barackenlager am heutigen FAC-Sportplatz-Gelände, einem der drei Mauthausen-Nebenlager in Wien, untergebracht und mussten in der Rüstungsindustrie Zwangsarbeit leisten.​ Viele von ihnen starben bereits an den Lebens- und Arbeitsbedingungen hier; kurz vor Kriegsende 1945 wurden die Verbliebenen in Todesmärschen nach Mauthausen getrieben, die nur wenige überlebten.

Gedenktafel an den Resten der Außenmauer
Unter den zahlreichen BesucherInnen sind auch die Grünen Floridsdorf vertreten
Auch viele junge Menschen beteiligen sich, u.a. mit einem Musikbeitrag

Ausstellung im Bezirksmuseum                                                                                   


Im Oktober des heurigen Jahres jährt sich der Todestag von Joseph Samuel Bloch, dem ersten Rabbiner von Floridsdorf, zum 95. Mal. Diesem Gedenken und dem 80. Jahrestag der "Reichspogromnacht" widmet das Bezirksmuseum Floridsdorf eine bemerkenswerte Ausstellung​, die noch bis 3. Februar 2019 zu sehen ist (jeweils dienstags 15.00 - 17.00, sonntags 10.00 - 12.00).

Anlässlich der Ausstellungseröffnung fand ein Symposium statt, das facettenreich Einblick in das Leben der Jüdischen Gemeinde von Floridsdorf vor 1938 gab.

Die AustellungskuratorInnen Mag. Gerhard Jordan, Dr. Gabriele Dorffner, Dr. Matthias Marschik
Zahlreiche Schautafeln veranschaulichen die unterschiedlichen Aspekte jüdischen Lebens
AusstellungsbesucherInnen

Gedenken an das Jüdische Leben in Floridsdorf                                                 

Das Symposium begann mit einem Rückblick auf die Aktivitäten der AHS Ödenburgerstraße im Rahmen des europaweiten Projektes "Schulen adoptieren Monumente" vor 23 Jahren​. SchülerInnen recherchierten zur Geschichte des jüdischen Friedhofs in der Ruthnergasse: Der Friedhof wurde während des Krieges von Bomben zerstört und nach 1955 wieder hergerichtet. Die Jugendlichen erarbeiteten eine Liste der auf dem Friedhof begrabenen Menschen und nahmen auch mit einigen Hinterbliebenen Kontakt auf.

Daran schlossen sich Beiträge des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums auf dem "Schulschiff" und des Ella-Lingens-Gymnasiums in der Gerasdorfer Straße an.

Präsentationen der Schulen
Gerhard Jordan bei seiner Präsentation


Die weiteren Beiträge des Symposiums gaben Einblicke in das lebhafte jüdische Leben in Floridsdorf: soziale, wirtschaftliche, religiöse und auch sportliche Aspekte wurden beleuchtet.

Gerhard Jordan​, Historiker und Grüner Bezirksrat, referierte zur Bedeutung von Joseph Samuel Bloch, dem ersten Rabbiner in Floridsdorf (siehe Bild im Hintergrund des Fotos).

Bloch bekämpfte bereits in den 1880er Jahren den Antisemitismus - auch in seinen Publikationen - scharf, er setzte sich für die Arbeiterschaft in Floridsdorf ein und wurde schließlich Abgeordneter im Österreichischen Reichsrat, wo er sich gegen Nationalitätenkämpfe und für ein gemeinsames, demokratisches Österreich einsetzte, in dem die verschiedenen Völker miteinander statt gegeneinander arbeiten.​

Er starb 1923; seit 2002 ist die Parkanlage auf dem Hoßplatz in Floridsdorf nach ihm benannt.


Nach wie vor ist die Quellenlage über die Jüdische Gemeinde in Floridsdorf und ihre Mitglieder dürftig; noch einmal mehr als ab 1938 viele Menschen emigrierten bzw. verschwanden. Seit 2016 arbeitet das Projekt "Memento Wien", u.a. auf Basis des Materials des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands, daran, die letzten Wohnadressen von Jüdinnen und Juden zusammen zu tragen, zu dokumentieren und auf einer Internetplattform zu veröffentlichen.


Wolfgang Schellenbacher (2. von links) präsentiert das Projekt "Memento Wien"
Mattias Marschik und Gabriele Dorffner

Schließlich erzählte Gabriele Dorffner von jenen jüdischen Familien, die mit ihren Geschäften, mit ihren Vereinen und ihrem Engagement die jüdische Gemeinde, die stetig anwuchs, prägten.

Matthias Marschik, Sporthistoriker an der Uni Wien, berichtete von einer jüdischen Erfolgsgeschichte, die die Fußballvereine und ihre Mitglieder darstellten.


Zum Abschluss gab Gerhard Jordan noch einen Überblick über die ​Gedenkkultur in Floridsdorf​ ​nach 1945.​​

Gedenken nach 1945

Die Abendveranstaltung, die das Symposium beschloss, bestritten Erika Pluhar und ein Trio mit Klezmer-Musik.

Erika Pluhar erzählte aus ihrer Jugend in Floridsdorf und von der Bedeutung, die ihre Geschichtslehrerin spielte, als sie den Jugendlichen von den Ereignissen der jüngsten Vergangenheit berichtete ohne etwas zu beschönigen oder totzuschweigen.

Gedenkspaziergang                                                                                     


Am 25. Oktober fand, in Ergänzung zur Gedenkveranstaltung, ein von der VHS Floridsdorf organisierter  Gedenkspaziergang mit Gerhard Jordan statt.

Der Rundgang begann beim Samuel Bloch Park; nächste Station war der Standort der ehemaligen Synagoge in der Freytaggasse. Im Haus der Begegnung und im historischen Bezirkszentrum Am Spitz wurde zuletzt der Bedeutung von Jüdinnen und Juden für die Geschichte Floridsdorfs gedacht.​