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am 7. Oktober

Parlamentarische Demokratie 1918 – 2018

Gerti Zupanich - Hundert Jahre mit einschneidenden Ereignissen für Freiheit und Demokratie: Ist eine Gedenkfeier für „100 Jahre Republik Österreich“ gerechtfertigt, wenn sie von Brüchen in der Kontinuität begleitet wurde? Verhilft sie uns zu einem Mehr an Geschichtsbewusstsein?

Denkmal der Republik

1918 die Ausrufung der Ersten Republik


Ein verlorener Krieg und das Ende der Habsburgermonarchie ließen Österreich auf ein kleines Restgebiet schrumpfen an dessen Fortbestand allgemein gezweifelt wurde. Begleitet von revolutionären Unruhen rief die provisorische Nationalversammlung am 19.11.1918 die demokratische Republik aus: „… alle öffentlichen Gewalten gehen vom Volk aus …“. Die wichtigste Aufgabe war, ehestmöglich Wahlen abzuhalten um frei gewählte Abgeordnete zu bestimmen. ​

Ausrufung der Republik: An der Parlamentsrampe


Erstmals wurden Wahlen ohne Unterschied der Geschlechter ausgeschrieben. Die Durchsetzung des aktiven und passiven Frauenwahlrechts war lange mit Nachdruck und Kampfgeist gefordert worden. Am 16.Februar 1919 konnten Frauen selbst wählen und sich wählen lassen. Das maagere Ergebnis: acht weibliche Abgeordnete im Parlament, nämlich sieben Sozialdemokratinnen und eine Christlichsoziale. Das Wahlergebnis brachte zwar eine dünne Mehrheit für die Sozialdemokraten gegenüber den Christlichsozialen. Doch die Zeichen mehrten sich, dass diese Erste Republik nicht lange bestehen würde.​




In den Jahren 1932/33 litt das junge Österreich, begleitet von einer anhaltenden Wirtschafts- und Bankenkrise, unter einer extrem hohen Arbeitslosigkeit und der Ausbreitung autoritärer Regime. Schließlich schaltete Kanzler Dollfuß - mittles Notverordnung am 1. Mai 1933 - das Parlament aus.

Diese Umstände ebneten in weiterer Folge den Anschluss an das Deutsche Reich am 13. März 1938. Österreich hatte aufgehört, als eigenständige Demokratie zu existieren.

Auf dem Heldenplatz
Figl auf dem Balkon des Belvedere


Die Zweite Republik ab 27. April 1945


Fast unmittelbar nach Kriegsende gelang es unter der wachsamen wie gleichermaßen wohlwollenden Beobachtung der Besatzungsmächte, die Zweite Republik auszurufen. Die volle Souveränität erhielt Österreich mit dem Staatsvertrag am 15. Mai 1955. „Österreich ist frei“, so lauteten die berühmten Worte von Außenminister Leopold Figl am 27. April 1945 auf dem Balkon des Belvedere.

Angesichts von Brüchen in beiden Republiken stellt sich die provokante Frage, ob Österreich überhaupt eine entwickelte Demokratie besitzt. Ungelöste Konflikte wurden bereits in die Erste Republik hineingenommen und setzten sich in​ der Zweiten Republikfort.

Weder die Politik noch die Zivilgesellschaft haben seit 1945/1955 bewiesen, dass die Aufarbeitung der Vergangenheit restlos gelungen wäre. Dabei wäre es für unser Demokratieverständnis so wichtig, dass mittels politischer Bildung ein ernsthafter Lernprozess über die letzten 100 Jahre einsetzt. Denn nur durch Teilhabe am politischen Geschehen und gleichzeitiger Übernahme von Verantwortung wird sich unsere Demokratie weiterentwickeln können.​