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am 7. August

Neu-Leopoldau: Unsere Bilanz zur Stadterweiterung

Susanne Dietl - Die ersten Wohnungen im Stadterweiterungsgebiet Neu-Leopoldau sind bezogen. Ab 17. August bekommt die Siedlung mit dem 30A einen weiteren Bus zusätzlich zum 36B. Wir haben geprüft, was vom Beteiligungsverfahren und Bauträgerwettbewerb umgesetzt wurde, und was noch fehlt.

Routenänderung beim 30A: Der Bus fährt ab 17. August zum Stadterweiterungsgebiet

Die ersten der insgesamt 1.200 Wohnungen des 13,5ha großen Stadterweiterungsgebiet auf dem ehemaligen Gaswerksgelände sind seit kurzem bezogen. Der Standort hat im Vorfeld viel Aufmerksamkeit erregt, zumal im Zuge der Bebauung auch eine umfangreiche Altlast abgesichert werden musste, und sich auf dem Gelände erhaltenswerte denkmalgeschützte Bauten befinden. Aus diesem Grund wurde ein umfangreiches Planungsverfahren gestartet.

Zur Vorgeschichte:
Das Planungsverfahren


Aufgrund der besonderen Situation fand ein einjähriges kooperatives Planungsverfahren statt, bei dem interessierte BezirksbewohnerInnen drei AnrainerInnen-Vertreter nominierten. Im August und September 2014 kam die Flächenwidmung zum Gaswerksareal in die Öffentliche Auflage.

Nach dem Beteiligungsprozess wurde das Ergebnis in der Bezirksentwicklungskommission vorgestellt und diskutiert. Im Bauausschuss wurde die Wichtigkeit von ausreichenden Grünflächen und dem Schutz der denkmalgeschützten Bauten festgehalten und beides floss in eine gemeinsame Stellungnahme des Bauausschusses ein. Die Flächenwidmung zum Gaswerks-Areal stand in der Sitzung der Bezirksvertretung am 24. September 2014 zur Abstimmung und wurde mit dieser gemeinsamen Stellungnahme mehrheitlich angenommen. Der Gemeinderatsbeschluss für die Flächenwidmung zum Gaswerksareal erfolgte am 19. Dezember 2014 mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP und Grünen.

Nach der Flächenwidmung wurde ein umfangreicher Bauträgerwettbewerb gestartet. Das Gebiet wurde in mehrere Baufelder aufgeteilt. Vorgabe war, dass die Wohnbauträger auch für etwaige denkmalgeschützte Bauten in ihrer Parzelle eine Sanierung und Nutzung mitzuentwickeln hätten.


Die Umsetzung in der Realität


Die Siedlung ist verkehrsberuhigt und eignet sich ideal zum Radfahren.
Der Altbaumbestand konnte trotz intensiver Bautätigkeit erhalten bleiben.
Urban Gardening wird hier bereits gerne genutzt.
1200 neue Wohnungen - ein Großteil davon von der Stadt Wien gefördert und damit leistbar.
Die denkmalgeschützten Gebäude sind noch nicht saniert - das war anders ausgemacht!
Schöne leistbare Wohnungen, aber die Geschäfte und Lokale fehlen noch.

Besichtigung vor Ort:
Plus und Minus


Wir Grüne haben uns nun die aktuelle Situation vor Ort angesehen um zu überprüfen, welche Vorgaben aus dem Bauträgerwettbewerb bereits realisiert wurden, und was noch offen ist. Unsere Bilanz fällt gemischt aus:  

  • Plus: Die Wohnungen
    Ein Großteil der Wohnungen wird von der Stadt Wien gefördert. Alle Wohnungen entsprechen den hohen ökologischen Qualitätskriterien.

  • Plus: Die Mobilität
    Die Sammelgaragen für Bewohner*innen und Besucher*innen am Rand der Siedlung sollen dafür sorgen, dass der KFZ-Verkehr in der Siedlung möglichst gering ist. Schon jetzt sind viele Menschen dort mit dem Rad unterwegs. Und in Kürze gibt es mit dem 30A eine zusätzliche Busanbindung zum 36B.
    Vorläufig binden beide Busse das Siedlungsgebiet nur am Rand an. Wenn die Bautätigkeiten abgeschlossen und die Straßen fertig asphaltiert sind, dann wäre aus Grüner Sicht eine Streckenführung durch das Areal sinnvoll.

  • Plus: Der Baumbestand
    Ein Großteil des Altbaumbestandes konnte erhalten werden und bildet nun schattige Alleen zwischen den Gebäuden.

  • Plus: Urban Gardening
    Bereits jetzt wurden schon die ersten Urban Gardening Projekte umgesetzt - und dank der hohen Nachfrage wird auch schon bereits eifrig Gemüse angebaut.

  • Plus: Sicherung der Altlast
    Die Altlast, die durch Bombardierungen im 2. Weltkrieg entstanden ist, wurde durch eine Doppelkammerdichtwand sowie durch eine Reihe von Sperrbrunnen abgesichert.​​

  • Minus: Die Geschäfte
    Es sind rund 70.000m² Gewerbeflächen vorgesehen. Derzeit sind nur Wohnungen besiedelt, aber noch keine Geschäfte. Vor allem ein Supermarkt, ein Cafe und ein Restaurant fehlen sehr.

  • Minus: Die verfallenen denkmalgeschützten Gebäude
    In mehreren der 17 denkmalgeschützten Bestandsgebäuden sind Ateliers und Werkstätten für kleinteiliges Gewerbe und Kreative vorgesehen. Laut Bauträgerwettbewerb wurde das Gebiet in mehrere Baufelder aufgeteilt. Vorgabe war, dass die Wohnbauträger auch für etwaige denkmalgeschützte Bauten in ihrer Parzelle eine Sanierung und Nutzung mitzuentwickeln haben.​
    Vor Ort haben wir nun festgestellt, dass kein einziges denkmalgeschütztes Gebäude saniert ist, geschweige denn, einer Nutzung zugeführt wurde. Alle sind umzäunt und die Fenster teilweise mit Brettern vernagelt.

Unser Fazit


​Wir Grüne werden die Umsetzung der Vorgaben aus dem Bauträgerwettbewerb in der Bezirksvertretung zum Thema machen. Es verwundert, dass bezüglich der Sanierung und Nutzung der denkmalgeschützten Bauten bislang nichts passiert ist, obwohl das eine Vorgabe für die Wohnbauträger war, und es außerdem schon großes Interesse an diversen Nutzungen gab, wie etwa seitens der Universität oder von Kulturinitiativen.