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am 17. September 2017

Wir alle sind Österreich

Gabriele Tupy - Unterschiede in Kultur, Religion und Ethnie sind eine Bereicherung für die Gesellschaft, die es zu bewahren gilt

Wieder einmal zeichnet sich ein menschenverachtender Wahlkampf ab, wenn das Auge auf so manches Plakat im öffentlichen Raum trifft. Gehört der Islam zu Österreich? In unserem Land leben rund 5,16 Mio. Katholiken, 500.000 Orthodoxe, 303.000 Protestanten, 700.000 Muslime, 15.000 Juden und rund 2,1 Mio Menschen anderer Glaubensbekenntnisse sowie Konfessionslose (Quelle: APA). Wir alle sind Österreich.

Ich bin konfessionslos und möchte in einem Land leben, in dem Religion Privatsache ist und wo das auch toleriert wird. Denn Mensch bleibt Mensch. Und ja, ich erwarte mir von jenen, die bei uns leben wollen, Integration. Wer in ein anderes Land geht, muss auch bereit sein, sich anzupassen (jedoch: Integration ist nicht Assimliation!). Von der Politik erwarte ich mir, dass sie eine Basis dafür schafft, dass Integration überhaupt erst möglich wird, wie z.B. Sprachkurse anbieten, berufliche Weiterbildung usw. Wirkliche Integration wird jedoch nur dann passieren, wenn wir einander von Mensch zu Mensch begegnen und wenn Freundschaften über die Kulturen hinweg entstehen. Dafür braucht es uns alle.

Menschenkette zwischen Moschee und Kirche am Bruckhaufen


Und so hat die Menschenkette mein Interesse geweckt, mit der am 15. September 2017 die größte Moschee Österreichs mit der katholischen Kirche am Bruckhaufen verbunden werden sollte. Das wollte ich mir ansehen. 

"Gemeinsam wollen wir aufzeigen, dass ein friedliches Zusammenleben nicht nur möglich, sondern bereits gelebte Realität ist und dass nur im Miteinander die Chance eines Zusammenhalts liegt, der stärker ist als Hass und Verachtung", war in der Einladung betont worden. Die Initiative zu der Aktion kam von der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ). Richtig verstandene Religionsfreiheit bedinge auch die Verpflichtung, "die Glaubensüberzeugung und Weltanschauung anderer respektvoll zu achten, ohne ihr in allem beipflichten oder sich ihr anschließen zu müssen", schrieb die IGGiÖ in ihrer Ankündigung. Mit Ihrer Initiative wolle sie auch "allem menschenunwürdigen Handeln, rassistischen und menschenfeindlichen Vorkommnissen" Einhalt gebieten. Österreich erlebe eine Zeit, in der die Themen Einwanderung und Integration die gesellschaftlichen Debatten dominierten - "Gefragt sind konstruktive Ansätze der Politik auf vorhandene soziale Probleme".​

Auf dem Weg zur Moschee nahm ich das rege Treiben vor der katholischen Kirche in der Kugelfanggasse wahr, die zahlreichen MedienvertreterInnen des ORF, Puls 4 und der APA und die Polizei. Es wimmelte vor Menschen und Mikrofonen. Die Moschee stand offen, neugierig ging ich die Treppen hinauf und trat ins Innere. Niemand fragte nach oder hinderte mich daran, einzig die Bitte, den großen Gebetsraum, der mit roten Teppichen ausgelegt war, nicht mit Schuhen zu betreten. Selbstverständlich, auch daheim ziehe ich meine Schuhe aus.




Der Einladung zur Menschenkette gefolgt waren auch der Präsident der Buddhistischen Religionsgesellschaft, Gerhard Weißgrab, der jüdische Journalist Samuel Laster und der Regens des Wiener Priesterseminars, Richard Tatzreiter, der seit 2009 in der Pfarre Bruckhaufen als Pfarrer tätig ist. Er betonte, dass es ihm von Beginn an eine Herzensangelegenheit gewesen sei, mit den muslimischen Nachbarn im Dialog zu stehen. "Ich glaube, es ist eine große Chance, dass wir hier im Kleinen vorleben, dass Menschen unterschiedlicher religiöser Überzeugung in der selben Gesellschaft zusammenleben können", so Tatzreiter. Zwei große Transparente vor der Moschee und der katholischen Kirche in der Kugelfanggasse mit identer Aufschrift verbildlichten seine Worte​

Der Einladung zur Menschenkette waren VertreterInnen mehrerer Religionsgemeinschaften Österreichs gefolgt. IGGiÖ-Präsident Ibrahim Olgun dankte zu Beginn vor dem Islamischen Zentrum am Hubertusdamm allen, die sich an der rund 600 Meter langen Menschenkette beteiligten. Durch die Initiative gebiete man Hass und Rassismus Einhalt und zeige, dass "alle Menschen Teil eines einzigen Liedes sind und zusammengehören". Unterschiede in Kultur, Religion und Ethnie seien eine Bereicherung für die Gesellschaft, die es zu bewahren gelte. Schon Anfang Juni hatten Österreichische Imame hier eine gemeinsame Deklaration gegen Extremismus unterzeichnet.

Die katholische Kirche wurde durch den Wiener Bischofsvikar Dariusz Schutzki vertreten, der für Kardinal Christoph Schönborn gekommen war. Er betonte, dass Friede nicht selbstverständlich, sondern ein Geschenk sei, das schon oft "erkämpft, erbetet, gewonnen" werden musste. In der Menschenkette würden sich Christen, Muslime und die VertreterInnen anderer Religionen "in gegenseitigem Respekt und Freundschaft, auf Augenhöhe begegnen" und einander die Hände reichen. "Ein einfaches Zeichen und doch wichtig für viele von uns", so Schutzki.

Der Einladung zur Menschenkette gefolgt waren auch der Präsident der Buddhistischen Religionsgesellschaft, Gerhard Weißgrab, der jüdische Journalist Samuel Laster und der Regens des Wiener Priesterseminars, Richard Tatzreiter, der seit 2009 in der Pfarre Bruckhaufen als Pfarrer tätig ist. Er betonte, dass es ihm von Beginn an eine Herzensangelegenheit gewesen sei, mit den muslimischen Nachbarn im Dialog zu stehen. "Ich glaube, es ist eine große Chance, dass wir hier im Kleinen vorleben, dass Menschen unterschiedlicher religiöser Überzeugung in der selben Gesellschaft zusammenleben können", so Tatzreiter. Zwei große Transparente vor der Moschee und der katholischen Kirche in der Kugelfanggasse mit identer Aufschrift verbildlichten seine Worte:

„WIR für ein FRIEDLICHES MITEINANDER“.

Bevor die Menschenkette gebildet wurde, ließen die fünf Religionsvertreter vor dem Islamischen Zentrum am Bruckhaufen jeweils eine weiße Friedenstaube fliegen. Anschließend reichten die Teilnehmenden der Menschenkette einander die Hände und verbanden sich mit roten und weißen Bändern – ein Bekenntnis an die gemeinsame Heimat Österreich.

Ich ging auf zwei junge Frauen zu, die miteinander zur Veranstaltung gekommen waren: eine Muslimin mit ihrer Freundin aus unserer Kultur. Fazalah erzählte in perfektem Deutsch, sie hätten heute in ihrer Schule, im Gymnasium Geblergasse, eine ähnliche Veranstaltung gehabt, bei der das Verbindende der Religionen über das Trennende gestellt worden sei. Auch hätten sie sich mit Lessings Drama „Nathan der Weise“ und der Ringparabel auseinandergesetzt. Darin wird Nathan zum Sultan gerufen und von diesem befragt, welche der drei Weltreligionen die einzig wahre für ihn sei. Nathan antwortet dem Sultan mit der bekannten Ringparabel. In der Ringparabel findet die Tradition, dass der Vater einen Ring und damit das Erbe an seinen liebsten Sohn weitergibt, irgendwann ein Ende, da es einen Vater gibt, der all seine Söhne gleichermaßen liebt und jedem einen nachgemachten, also identischen, Ring anvertraut.

Ich merkte an, dass die Religionsgemeinschaften, wie die heutige Veranstaltung zeige, offenbar kein Problem miteinander hätten und auch nicht die vielen anwesenden Menschen aus unterschiedlichen Kulturen. Die beiden jungen Frauen lachten: „Nein, nur manche Politiker“!

Vielleicht sollten diese nochmals zurück in die Schule.