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am 22. Februar 2017

Ein Verhältnis Eintausend zu Dreissig

Gerti Zupanich, Alexe Schmid - Nur dreißig Straßenbenennungen sind Frauen in Floridsdorf gewidmet. Unsere Suche nach den Gründen beginnt

Historisch gewachsen                                                                                                     


Benennungen der Straßen – korrekterweise Verkehrsflächen - sind historisch gewachsen, entstammen alten Flurbezeichnungen, waren berühmten männlichen Persönlichkeiten oder Wohltätern vorbehalten. Wien, als Stadt der Kultur, widmete ihren Literaten, Musikern, Malern und Schauspielern Straßennamen. Gewürdigt wurden ebenso verdiente Männer der Forschung, der Politik und der Kriege.

Wir suchen in den Floridsdorfer Straßenbezeichnungen und zählen nur dreißig weibliche Namen. Wir stellen fest: ein Umdenken und Aufholen wäre notwendig. Zu dieser Erkenntnis kommt auch die TU-Wien mit ihrer Studie der weiblichen Wiener Straßennamen: 3.913 Männer zu 356 Frauen (siehe Genderatlas).


Was es sonst noch gibt​                                                                                                   


Wenn wir das historisch Gewachsene mit den vielen uns unbekanntenMännern in Floridsdorf beiseitelassen, fällt uns dennoch auf: Auch in den letzten 60 Jahren wurde männlichen Personen der Vorzug gegeben. Dazu kommen Gassennamen für Tiere, wie Fischotter, Fledermaus, Dachs, Maulwurf-Gasse und Feldmaus-Gasse (witzig) … oder (verdienstvolle?) Vögel wie Amsel, Bussard, Uhu, Wildgans. Und auch die Flora kam nicht zu kurz mit: Wacholder-Gasse, Dahlie, Frauenschuh, Kuhschelle, Mais, Malve. Ein besonderen Stellenwert bei der Namensgebung ist unserer jüngeren Fußballgeschichte – nicht der der Floridsdorfer - gewidmet: Fast zwanzig Gassen und Plätze erinnern daran: Cordobaplatz, den finden wir noch wichtig, den Heribert Meisel und Edi Finger, die kennen wir Älteren alle. Bei der (Walter)Dragoungasse, Anton Schallgasse, Erich Habitzergasse, Karl Schrottgasse, Hanreitergasse, und vielen mehr, braucht es bereits Expertenwissen.

Zählen wir Fauna, Flora und Fußballer zusammen, dann haben wir Frauen großen Aufholbedarf bis wir diese Summe erreichen!​

Wie kommt es überhaupt zu Verkehrsflächen-Benennungen – so die korrekte Bezeichnung für Straßennamen? Vorschläge gehen an die Kultur-und Benennungs- Kommission der Stadt Wien“ (MA7). Die prüft und setzt die Vorschläge aus den Bezirken auf eine Liste. Wien wächt,aber die meisten neuen Verkehrsflächen entstehen vorrangig in den Bezirken Transdanubiens.

Und hier sehen unsere Grünen Frauen in Floridsdorf eine Chance der Umsetzung. Wir haben recherchiert und Frauen mit Bezug zum Bezirk gefunden. Unsere Vorschläge für weibliche Benennungen wurden der Bezirkskultur-Kommission übergeben; mit dem Wunsch, dieses kleine Zeichen der Gendergerechtigkeit umzusetzen. Der Antrag – mit Unterstützung unserer Grünen Bezirksräte und Bezirksrätinnen - wurde angenommen. Somit stehen – zunächst – zwei Frauen auf der langen Warteliste der Kulturkommission.

Antonie Lehr: Zeitzeugin der Widerstandsbewegung und in der Lokomotivfabrik im Untergrund tätig

Margarete Bistron-Lausch: Bildhauerin, zahlreiche Reliefs und Plastiken für „Kunst am Bau"

Wir wollen unsere Vorschläge erweitern und hoffen auf Unterstützung von Männern und Frauen aus unserem Bezirk.​