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am 24. September

Immer noch weniger Pension für Frauen – der Wiener Equal Pension Day

Evelyne Stelzer - Der Equal Pension Day ist der Tag, an dem Männer im laufenden Jahr bereits so viel Pension bekommen haben wie Frauen insgesamt bis zum Jahresende erhalten werden.

Für ganz Österreich war er am 1. August, für Wien am 6. September. Auch wenn es schrittweise besser wird, erhalten im österreichischen Durchschnitt Frauen um 41,6 % weniger Pension als Männer, das sind monatlich 851 Euro. In Wien sind es „nur“ 31,8 % weniger, immerhin um fast ein Drittel.

Frauen weisen im Durchschnitt 10 Beitragsjahre weniger als Männer auf, weil sie aufgrund von unbezahlter Haus- und Betreuungsarbeit (Kinder, pflegebedürftige Angehörige) Arbeitsunterbrechungen auf sich nehmen bzw. in Teilzeit arbeiten.  Eine weitere wichtige Ursache für die kleinen Frauenpensionen ist der sogenannte Pay Gap, also die Lohnschere zwischen Frauen und Männern. Er beträgt beim Bruttostundenlohn immer noch über 20 %. In frauendominierten Branchen – während der Pandemie gern systemrelevant genannt – wird schlechter bezahlt als in den Männerdomänen. Frauen in der Privatwirtschaft erhalten für die gleiche Arbeit oft weniger Gehalt. Zudem rutschen Frauen häufig von der Arbeitslosigkeit in die Pension.

Die Figuren eines Mannes und einer Frau sitzen auf ungleichen Stapeln aus Geldmünzen. Foto: picture alliance/dpa; Themendienst / Andrea Warnecke

Am 25. Mai war im Kurier​ in der Serie „Finanzwissen“, einer Kooperation mit dem Bundesministerium für Finanzen, zu lesen, dass das Thema Altersarmut bei Frauen auf mangelndes Finanzwissen und wenig Selbstvertrauen in Geldanlagen basiert.

Doch wenn „frau“ nichts zu veranlagen hat, hilft auch das beste Finanzwissen nichts. Auf finanzielle Bildung und private Vorsorge, statt für ein adäquates staatliches Pensionssystem einzutreten, ist völlig verfehlt. Schon vor Jahren haben die Grünen ein Pensionsmodell zur Grundsicherung im Alter​ entworfen.

Solange es die Normalarbeitszeit nicht zulässt, dass sich Frauen und Männer Care-Arbeit teilen können, gute und passende Rahmenbedingungen für Eltern und pflegende Angehörige fehlen und keine adäquate Entlohnung erfolgt, sind geringe Frauenpensionen und Altersarmut der Preis dafür. Statt finanzieller Bildung braucht es zielführende Maßnahmen, wie auch von den Grünen SeniorInnen gefordert, um den Pensionsunterschieden und der Altersarmut von Frauen beizukommen:

  • gleiche Verteilung der unbezahlten Care-Arbeit, Arbeitszeitverkürzung
  • gerechte und stufenweise Anrechnung der Kindererziehungszeiten
  • Ausbau der Kinderbildungs– und Betreuungseinrichtungen
  • leistbares und qualitatives Angebot an Pflege für Familien
  • gute pensionsstiftende Rahmenbedingungen für pflegende Angehörige
  • verbesserte Arbeitsbedingungen und adäquate Bezahlung in den neuerdings so genannten systemrelevanten Berufen wie in der Kranken- und Altenpflege, der Kinderpädagogik, im Supermarkt, bei Reinigungskräften, etc.
  • zielführende Maßnahmen gegen Lohn- und Einkommensdiskriminierung von Frauen in der Privatwirtschaft
  • Unterstützung für Frauen beim beruflichen Wiedereinstieg, für Frauen, die keine Qualifikation haben
  • Maßnahmen zur Überwindung eingefahrener Rollenbilder

Wir Grünen fordern politische, gesellschaftliche und soziale Rahmenbedingungen für faire Pensionen und den Kampf gegen Altersarmut.


Grünes Pensionsmodell (PDF)