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am 22. September

Aufklärung zu umstrittenem Straßennamen

Gerhard Jordan - Immer wieder erreichten uns Beschwerden aus der Bevölkerung, warum es im 21. Bezirk umstrittene Straßennamen gibt. Auf Grüne Initiative bekam nach der Ostmarkgasse nun auch die Wolfsschanzengasse eine Zusatztafel.

Die Wolfsschanzengasse, von der Floridsdorfer Hauptstraße gesehen.

Immer wieder erreichten uns Beschwerden aus der Bevölkerung, warum es im 21. Bezirk eine Ostmarkgasse gibt. Erst als vor einigen Jahren eine Zusatztafel angebracht wurde, dass bei der lange vor der NS-Zeit erfolgten Benennung die mittelalterliche Grenzmark gemeint war und nicht das 1938 unter dieser Bezeichnung von Hitlerdeutschland einverleibte Österreich, ließen die kritischen Anfragen nach.

Doch nach wie vor war die "Wolfsschanzengasse", eine zur Grabmayrgasse führende Seitengasse der Floridsorfer Hauptstraße, ein Thema​.

Mit der Geschichte Floridsdorfs weniger Vertraute vermuteten, dass damit das Führerhauptquartier Wolfsschanze gemeint sein könnte, das 1940 im damaligen Ostpreußen (nahe der heutigen Kreisstadt Kętrzyn im Nordosten Polens) errichtet wurde und das während des Zweiten Weltkrieges ​einer der Haupt-Aufenthaltsorte Adolf Hitlers zwischen 1941 und November 1944 war.

Deshalb stellten wir in der Bezirksvertretungssitzung am 14. September 2016 den Antrag, dass bei einem der Straßenschilder in der Wolfsschanzengasse eine erklärende Zusatztafel angebracht wird, die erläutert, dass sich der Name der 1965 benannten Gasse auf eine historische Donaubrücken-Befestigung bezieht und nicht auf jenes Bunkersystem, von dem aus Adolf Hitler seinen Vernichtungskrieg im Osten dirigierte. 

Bei der Floridsdorfer Wolfsschanze handelte es sich nämlich um ein Bollwerk am linken Donauufer (etwa in der Gegend des heutigen Floridsdorfer Auparks gelegen), das im 16. und 17. Jahrhundert dem Schutz des Brückenkopfes der damals einzigen festen Brückenverbindung über die Donau im Raum Wien diente. Im April/Mai 1645 - während des Dreißigjährigen Krieges, im Zuge des Vorstoßes der Schweden Richtung Wien - war die Wolfsschanze einige Wochen hindurch heftig umkämpft.

Zwei Jahre nach dem Grün-Antrag wurde die Erläuterungstafel angebracht.

Unser Antrag wurde - gegen die Stimmen von FPÖ und WIFF - angenommen und vom damaligen Kulturstadtrat Mailath-Pokorny positiv beantwortet. Als die Erläuterungstafel dann aber auf sich warten ließ, stellten wir am 4. April 2018 eine Anfrage, aus deren Beantwortung hervorging, dass auf die Anbringung vergessen wurde, diese aber nachgeholt werde.

Im Sommer war es nun soweit:  Die Zusatztafel wurde angebracht und wird hoffentlich helfen, künftig das Missverständnis aufzuklären.