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am 21. Juni

"Station der Erinnerung" in der Donaufelder Straße

Gerhard Jordan - Der Verein „Steine der Erinnerung“ widmet sich seit 2005 dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus.

Matthias Beier vom Verein „Steine der Erinnerung“ und Gary Hearst, ein Neffe der Ermordeten

Mittels metallener Tafeln sollen die Opfer des Nationalsozialismus ​vor dem vergessen Werden bewahrt werden. An Orten wo sie gewohnt hatten werden die Tafeln an Hauswänden oder im Gehsteig eingelassen und mit Namen und Geburts- bzw. Sterbedatum versehen werden.




Die Initiative dazu geht zumeist von Angehörigen aus. Bis heute wird auf diese Weise an rund 1.600 vom NS-Regime Ermordete erinnert.

Während es in der Leopoldstadt Dutzende solcher „Stationen der Erinnerung“ gibt, wurde in Floridsdorf bisher erst eine errichtet und im November 2013 eröffnet, und zwar auf dem Hoßplatz vor dem Joseph-Samuel-Bloch-Park.  November 2013.

Eine weitere folgte nun am 21. Juni 2017, und zwar in der Donaufelder Straße 19.






An dieser Adresse befand sich vor dem „Anschluss“ 1938 das Möbelhaus von Bernhard Herškovics, der mit seiner Frau Hermine fünf Kinder hatte und schon 1933 starb.


Foto: privat/Verein „Steine der Erinnerung“​

Seine jüngste Tochter, Sidonie Herskovics, wurde am 3. April 1915 geboren. Sie war das einzige Mitglied dieser Floridsdorfer jüdischen Familie, das während der Nazi-Herrschaft in Wien blieb, weil sie auf die Freilassung ihres Verlobten, der zur Zwangsarbeit eingezogen worden war, hoffte.​

Die vier Geschwister und die Mutter (alle lebten zunächst in der Donaufelder Straße) waren ab den späten 1920er-Jahren bis 1938 in die USA, nach Palästina, nach China bzw. in die Schweiz und von dort nach Australien emigriert.

Bald kam Sidonie unter die Räder der NS-Terrormaschinerie. Zunächst wurde sie in eine Sammelwohnung im 2. Bezirk übersiedelt und schließlich am 17. August 1942 in einem Viehwaggon nach Maly Trostinec (heute ein Teil von Minsk, Weißrussland) deportiert, wo sie in einem Wald am 21. August erschossen wurde.


Ilse Fitzbauer, stellvertretende Bezirksvorsteherin, bei ihrer Ansprache

Bei der Gedenkfeier, bei der Bezirksvorsteher-Stellvertreterin Ilse Fitzbauer Grußworte überbrachte und VertreterInnen des Vereins die Bedeutung des Erinnerns betonten, sprach auch Gary Hearst, der Neffe von Sidonie Herškovics. Er war mit seiner Frau aus Australien, wohin sein Vater Johannes (ein Bruder von Sidonie) im Jahr 1939 ausgewandert war, nach Wien gekommen.

​Ein berührender Moment war, als er für seine Tante, die er nicht mehr persönlich kennenlernen konnte, das jüdische Kaddisch-Gebet sprach.​

Gary Hearst bei seiner Ansprache
Die Familie der Ermordeten mit Ilse Fitzbauer