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am 26. September

Alkoholverbot ist keine Lösung

Heinz Berger - Es besteht kein Zweifel, dass die Krankheit Alkoholismus ein schweres Problem darstellt und dass die alkoholkranken, zum Teil obdachlosen Menschen im Umfeld von Verkehrsknotenpunkten wie dem Floridsdorfer Bahnhof von vielen PassantInnen als Belästigung empfunden werden.

Doch ein Verbot ist für ein soziales Problem keine Lösung, sondern nur eine Verdrängung und damit eine Verschlechterung der Situation sowohl für die Betroffenen als auch für die AnrainerInnen.

Eigentlich schien die Debatte um ein Alkoholverbot am Franz-Jonas-Platz bereits beendet nachdem Bürgermeister Ludwig eingesehen hatte, dass weitere Verbote nicht zielführend sind und auch BV Georg Papai vorübergehend von dieser Forderung vom April wieder Abstand nahm. Jetzt hat aber die Floridsdorfer Liste WIFF einen Resolutionsantrag eingebracht, dass sich die Bezirksvertretung am 12. September 2018 für die „Erlassung eines Verbotes für den Konsum alkoholischer Getränke im öffentlichen Bereich von Franz Jonas-Platz und Pius Parsch-Platz“ aussprechen solle. Unmittelbar vor der Sitzung der Bezirksvertretung sprach sich daraufhin leider auch BV Papai laut Bericht einer Tageszeitung wieder für das Verbot aus.

Am Praterstern ist ein großer Teil der Szene auf die Kaiserwiese ausgewichen, kleinere Gruppen treffen sich jetzt an anderen Plätzen in der Leopoldstadt oder an anderen Bahnhöfen, wie etwa am Franz-Jonas-Platz. Wenn nun die Resolution tatsächlich umgesetzt würde, besteht die Gefahr, dass die Alkoholkranken auf die Schulpromenade in der Franklinstraße, auf den Kinzerplatz, den Hoßplatz, vor das Amtshaus am Spitz oder überhaupt in die Wohngebiete ausweichen, wo eine Betreuung durch SozialarbeiterInnen und eine regelmäßige Kontrolle durch die Exekutive aufgrund der lokalen Zerstreuung nicht mehr ausreichend möglich ist.​

Das soll aber keinesfalls bedeuten, dass wir die Sorgen und Ängste der vielen PassantInnen am Franz-Jonas-Platz, denen es äußerst unangenehm ist, wenn sie auf ihren alltäglichen Wegen an Gruppen von Alkoholkranken und Obdachlosen vorbeigehen müssen, unbeachtet lassen wollen. Allerdings besteht hier soziale Unterstützung und Kontrolle, was es an dezentralen Orten und in Wohngebieten nicht gibt. Dort könnte es zu noch größeren Konflikten kommen als am Bahnhof, und die von Obdachlosigkeit und Suchtkrankheit ins soziale Abseits gedrängten Menschen wären vollkommen sich selbst überlassen.

Symbolfoto

Wir Grüne lehnen populistische Verbotsmaßnahmen ab und sprechen uns dafür aus, unser wertvolles Steuergeld, mit dem wir die Kontrolle der Einhaltung des Verbots finanzieren müssten, wesentlich sinnvoller für eine niederschwellige Betreuungseinrichtung in Bahnhofsnähe einzusetzen. Ergänzt durch weitere soziale Maßnahmen würde damit zumindest einem Teil der Kranken und Obdachlosen geholfen. Eine schrittweise Verbesserung der Situation könnte dazu führen, dass sich PassantInnen am Floridsdorfer Bahnhof wieder wohl fühlen!​