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am 1. Mai

Kein Alkoholverbot am Franz Jonas Platz!

Brigitte Parnigoni - Seit Kurzem gilt das Alkoholverbot im Bahnhofsbereich Praterstern. Seither wird diskutiert, ob der 21. Bezirk am Bahnhof Floridsdorf und am Franz Jonas Platz nachziehen soll.

Pro und Contra                                                                                                                      


Seit vergangenem Freitag gilt das Alkoholverbot im Bahnhofsbereich Praterstern. Der Grund dafür ist, dass es dort laut Polizei in der vergangenen Zeit immer wieder zu Straftaten von Menschen gekommen sei, die sich dort regelmäßig aufhalten und durch übermäßigen Alkoholkonsum auffallen.

Diese Maßnahme hat nun die Diskussion darüber entfacht, ob Floridsdorf nachziehen und am Franz Jonas Platz und im anschließenden Bahnhofsbereich ebenfalls ein Alkoholverbot verhängen soll. Das forderte jedenfalls unlängst Bezirksvorsteher Georg Papai (SPÖ).

Wir verstehen die Besorgnis und die Ängste einiger BürgerInnen, die sich verunsichert fühlen und sich fürchten, insbesondere in den Abend- und Nachtstunden im Bahnhofsgebäude und über den Bahnhofsvorplatz zu gehen. Andere BürgerInnen wiederum sehen die damit verbundene Vertreibung von Obdachlosen als sozial verantwortungslos an.

Auch wir Grüne halten ein Alkoholverbot für eine Scheinlösung, die wohl kaum einen nachhaltigen positiven Effekt haben wird. Bei jenen Menschen, die hier tagaus, tagein den Bahnhof als sozialen Treffpunkt nutzen müssen, handelt es sich zum Großteil um alkoholkranke, obdachlose Menschen. Soziale Probleme brauchen soziale Antworten. Menschen lösen sich durch Verbote nicht in Luft auf. Soziale Probleme können nicht mit Verboten gelöst werden.

Andere mögliche Massnahmen                                                                                  

Vielmehr wünschen wir Grüne uns innovative Konzepte für alkoholkranke Obdachlose. Zugleich wollen wir, dass die Stadt Wien ihren bewährten Weg fortsetzt und erfolgreiche soziale Maßnahmen forciert und ausbaut. Dazu gehören:

  • die Errichtung bzw. Betreibung von niederschwelligen Notquartieren für die Betroffenen;
  • einen weiteren Ausbau der sozialen und medizinischen Versorgung vor Ort (im Bereich des Bahnhofs Floridsdorf sind bereits jetzt SozialarbeiterInnen im Einsatz);
  • die Erlaubnis von moderatem Alkoholkonsum in den bestehenden Tageszentren für Obdachlose in begrenztem Umfang.​

Es ist zu befürchten, dass die Ausweitung des Alkoholverbotes vom Praterstern auf andere Wiener Bahnhöfe und öffentliche Plätze lediglich zu einer Verschiebung des Problems führt und die betroffenen Personen in die angrenzenden Grätzeln verdrängt werden. In Floridsdorf sind das etwa die Schulstraße entlang der Franklin-Promenade oder die gerade neu gestalteten verkehrsfreien Bereiche vor dem Amtshaus, auf dem Pius Parsch Platz oder im Samuel Bloch-Park am Hoßplatz. Dort steht keine Sozialarbeit zur Abfederung von Problemen bereit, und spätestens wenn die Szene in der Nähe der Wohnbereiche auftaucht, wird sich zeigen, dass der Ruf nach dem Verbot ein "Eigentor" ist. Darüber hinaus wird es, wie die Erfahrungen in anderen Städten zeigen, für die Polizei ziemlich schwierig, das Alkoholverbot auch tatsächlich zu exekutieren und Verstöße allenfalls zu ahnden.​


Was wirklich fehlt ist eine erfolgreiche Suchtprävention für Alkoholkranke und ein sensiblerer und realistischerer Umgang mit Alkoholsucht und -konsum ganz generell. Feste wie etwa die "Wiener Wies'n"(interessanterweise gilt das Alkoholverbot auf der Kaiserwiese nicht), das "Steirerfest" oder das "Donauinselfest" erfreuen sich größter Beliebtheit, wobei das Konsumieren von Alkohol dort eine hohe Akzeptanz hat. Offensichtlich wird das Alkohol Trinken allgemein sehr toleriert. Eine umsichtige Präventionspolitik müsste die fließende Grenze zwischen Genuss- und Suchttrinken thematisieren.​

Die Grünen lehnen daher populistische Maßnahmen, die lediglich eine Scheinlösung von Problemen darstellen, ab. Eine sozial verantwortungsvolle Stadt wie Wien muss für soziale Probleme auch soziale Lösungen finden anstatt schwer exekutierbare Verbote zu verhängen!