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am 24. November

Scheinheiliges Alkoholverbot

Heinz Berger - Es besteht kein Zweifel, dass Alkoholismus sowohl für die Betroffenen als auch für ihr Umfeld ein echtes Problem darstellt. Die Vertreibung der alkoholkranken Menschen vom Praterstern brachte aber keine wirkliche Lösung. Jetzt wird auch für den Floridsdorfer Bahnhof wieder ein Verbot gefordert, was angesichts der Alkoholexzesse am derzeit gerade anlaufenden Adventmarkt besonders scheinheilig ist.

Das Problem

Am Praterstern wurde das Problem mit der Verhängung des Alkoholverbotes natürlich nicht gelöst, sondern nur auf die Kaiserwiese bzw. auf andere Plätze oder Bahnhöfe verlagert. Wenn jetzt auch am Franz-Jonas-Platz ein Verbot verhängt würde besteht die Gefahr, dass die Alkoholkranken und Obdachlosen auf die Schulmeile in der Franklinstraße, auf den Kinzerplatz, den Hoßplatz, vor das Amtshaus am Spitz oder überhaupt in die Wohngebiete abwandern, wo eine Betreuung durch SozialarbeiterInnen und eine regelmäßige Kontrolle durch die Exekutive nicht ausreichend möglich wären. Dort wären die Kranken und Obdachlosen vollkommen sich selbst überlassen und es könnte dann zu noch größeren Konflikten kommen.

Inzwischen hat auch Bürgermeister Ludwig eingesehen, dass weitere Verbote nicht zielführend sind, aber da die rechten Parteien keine Gelegenheit auslassen, um diese Debatte wieder anzuheizen, hat sich nun Bezirksvorsteher Papai leider wieder dieser populistischen Forderung angeschlossen.

Auf einem Auge blinder Populismus

Der neuerliche Vorstoß für ein Alkoholverbot ist an Scheinheiligkeit jedoch kaum noch zu überbieten! Sehr viele PassantInnen klagen darüber, dass gerade in den Wochen vor Weihnachten der Weg über den Franz-Jonas-Platz am späten Nachmittag oder am frühen Abend aufgrund der Punschstände am Adventmarkt zu einem "Spießrutenlauf" durch Gruppen von Alkoholisierten wird. Dieser Missstand wäre sehr leicht zu unterbinden, wird aber offenbar gar nicht hinterfragt, da die Veranstalterin die Wirtschaft 21 ist und die Interessen der Wirtschaftstreibenden im Gegensatz zu denen der kranken Menschen unhinterfragt bleiben!

Es wäre sehr interessant, mit welchen absurden Argumenten und Maßnahmen der tolerierte, ja sogar geförderte Alkoholkonsum hier am Bahnhofsplatz vom verbotenen getrennt werden sollte, und wie man gedenkt, eine derartige Verordnung zu exekutieren.​​

Echte Lösungsansätze

Wir Grüne nehmen die  Sorgen und Ängste der Menschen ernst und wollen daher eine Verschlechterung der Situation durch Scheinlösungen vermeiden. Wir sprechen uns dafür aus, unser wertvolles Steuergeld nicht für die Kontrolle eines sinnlosen Verbots hinauszuwerfen, sondern viel besser für eine niederschwellige Betreuungseinrichtung in Bahnhofsnähe einzusetzen.


Ergänzt durch verstärkte Sozialarbeit vor Ort würde zumindest einem Teil der von Obdachlosigkeit und Suchtkrankheit ins soziale Abseits gedrängten Menschen geholfen, was in der Folge auch dazu führen würde, dass sich PassantInnen am Floridsdorfer Bahnhof wieder wohl fühlen!