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am 18. November

Die Frauen-Werk-Stadt wird 20!

Brigitte Parnigoni - In den 90er-Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde die Idee eines frauengerechten Wohn- und Städtebaus erstmals von vier Architektinnen in die Tat umgesetzt. In Donaufeld in Floridsdorf entstand die Frauen-Werk-Stadt mit 359 Wohnungen.

Spezielle Kriterien für dieses Wohnprojekt waren u.a. die Erleichterung von Haus- und Familienarbeit, das Fördern von nachbarschaftlichen Kontakten und das Bemühen, die Anlage so zu gestalten, dass die BewohnerInnen insbesondere abends sicher unterwegs sein können.

Die Expertise von Fachfrauen war gefragt, und so wurde das Projekt nach einem Wettbewerb unter dem Ehrenvorsitz der renommierten Bau-Pionierin Margarete Schütte-Lihotsky (nach der später ein Bauteil benannt wurde) schließlich von vier Architektinnen unter der Leitung von Franziska Ullmann in  Zusammenarbeit mit einer Landschaftsarchitektin realisiert.

Die Architektinnen mit der Ehrenvorsitzenden Margarete Schütte-Lihotzky

Der Name "Frauen-Werk-Stadt" wurde Programm. Das Ziel war weniger von der Idealvorstellung einer geschlechtergerechten Welt geprägt als vielmehr von dem Bestreben einer Verbesserung der konkreten Wohnumgebung von Frauen in ihren realen Lebenssituationen der Zeit. Aufenthaltsqualität und Alltagstauglichkeit wurden im gleichen Maße in den Vordergrund gestellt, Wohnqualität für die Freizeit und die Erleichterung der unbezahlten Haus- und Familienarbeit bestimmten die Planungen. Gebäude und Freiflächen wurden so gestaltet, dass "soziale Räume" entstehen können; dazu gehörte auch die Errichtung eines Kommunikationszentrums, das aber leider nicht längerfristig finanziert werden konnte. Die individuelle Sicherheit wurde durch gute Beleuchtung, durch die Vermeidung von klassischen Angsträumen aber auch durch die Einrichtung einer Polizeistation erhöht.

Gleichzeitig sollte mit der Realisierung dieses Bauvorhabens der Anteil von Frauen, die an der Stadterweiterung und damit an der Gestaltung der Stadt beteiligt sind, erhöht werden.​​

​Seit 1997 wird die Frauen-Werk-Stadt nun bewohnt. Bereits 1998 wurde die erste BewohnerInnenbefragung durchgeführt, die grundsätzlich eine hohe Wohnzufriedenheit ergab. Vieles was damals noch als besonders innovativ galt, hat sich inzwischen als Standard im sozialen Wohnbau durchgesetzt.

Nebenräume wie z.B. Waschküchen, Müllräume, Kinderwagen- und Fahrradabstellräume wurden benutzerInnenfreundlich geplant und erleichtern so insbesondere auch den Alltag von Frauen; allerdings kristallisieren sich auch einige Mängel wie etwa zu knapp bemessener Raum für Kinderwägen und Fahrräder heraus.

Wurde bereits von Beginn weg der Nahversorgung und der Anbindung an den öffentlichen Verkehr große Bedeutung beigemessen, so haben sich diese Aspekte in den letzten Jahren sogar noch verbessert; der umgebende Stadtteil ist insgesamt gewachsen und damit auch die umgebende Infrastruktur.

​Wer gemeinsam mit den BewohnerInnen der Frauen-Werk-Stadt das 20-Jahr-Jubiläum feiern will hat dazu am 1. Dezember Gelegenheit. Wir Grüne werden selbstverständlich auch dort sein und gratulieren recht herzlich zum 20jährigen Bestehen!​