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am 12. September

Eine klimafitte Stadt braucht gesunden Boden

Gerda Daniel - Sechs Expert*innen diskutierten mit uns über die Bedeutung von Landwirtschaft und humusreichen Boden für Stadt.

Am 6. September fand bei uns in Floridsdorf ein Fachgespräch mit Expert*innen und Grün-Politiker*innen aus dem Nationalrat, Gemeindrat und aus der Bezirksvertretung statt.

Viktor Schwabl stellt fest, dass Landwirtschaft für eine klimafitte Stadt wichtig ist! Der Klubobmann der Grünen Favoriten beschäftigt sich in seiner Dissertation mit Landwirtschaftlichen Nutzflächen in der städtischen Raumplanung. Urbane Raumplanung orientiert sich am Wohnbau, Ziele sind Schaffung von Wohnraum und Gewerbeflächen.

Viktor Schwabl kritisiert, dass in der Stadtplanung kein Unterschied gemacht wird in der Qualität des Bodens, der verbaut wird: die Landwirtschaft hat in Wien keine Lobby. Er empfiehlt, Alternativen zur Verbauung von fruchtbarem Ackerboden zu überlegen.

Alfred Grand vom Forschungs- und Demonstrationsbetrieb Grandfarm (www.grandfarm.at​) – er ist auch Mitglied im EU Mission Board on Soil Health and Food – beschäftigt sich mit der Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel. Für einen klimafitten Boden muss Humusschicht aufgebaut (4-Promille-Initiative für Klimaschutz und Ernährungssicherung) und somit Kohlenstoff im Boden gebunden werden. Boden muss als Puffer zwischen Dürre und zu viel Wasser dienen. Die Infrastrukturfunktion des Bodens ist vor allem in der Stadt wichtig: es braucht regelmäßiges Monitoring in Form von Bodenanalysen sowie Bewusstseinsbildung in der Politik und in der Bevölkerung für den Wert eines gesunden Bodens!

Grands Konzept der Marktgärtnerei (PDF am Ende zum Herunterladen) ist die Wiederentdeckung eines bewährten Systems: kleinstrukturierte Produktion von Obst und Gemüse mit Direktverkauf an Konsument*innen und Restaurantbetriebe.

„Die herausragenden Ackerflächen im Donaufeld sollen nicht ohne weiteres Nachdenken verbaut werden“, meint auch Susanne Kummer vom FIBL-Forschungsinstitut für biologische Landwirtschaft (www.fibl.org​). Vor allem das südwestliche Donaufeld, auf dem sich auch der Betrieb Bioschanze befindet, weist eine besonders wertvolle und tiefe Humusschicht auf. Die Verbauungskonzepte von vor über 20 Jahren seien angesichts veränderter Verhältnisse zu überdenken. Vor allem die biologisch wirtschaftenden Betriebe im Donaufeld brauchen rechtliche Sicherheit.

Kornelia Zipper arbeitet am ÖKL als Projektleiterin von Afterwork-am-Bauernhof (www.afterwork-am-bauernhof.at​). Ihre Erfahrung ist, dass sich Städter*innen wieder vermehrt für Herkunft und Produktion von Lebensmitteln interessieren. Ihre Afterwork-Nachmittagsexkursionen zu landwirtschaftlichen Betrieben in Wien und Umland sind regelmäßig ausgebucht. Angesichts der Tatsache, dass täglich 12 landwirtschaftliche Betriebe zusperren, sei der Einsatz für den Erhalt von Landwirtschaftsflächen wichtig.

Im Zukunftshof in Rothneusiedl (www.zukunftshof.at​​) werden neue Formen der Landwirtschaft wie Vertical Farming erprobt. Auch hier ist der fruchtbare Ackerboden von Verbauung bedroht. Vorstandsmitglied Stefan Ohmacht kritisiert, dass der Spagat zwischen Wohnen, Erholung und Produktion in der Wiener Raumplanung nicht vorgesehen ist. Andere Stadtentwicklungsgebiete wie Sonnwend- und Nordbahnhofviertel befinden sich auf alten Industrieflächen – Rothneusiedl und Donaufeld hingegen auf fruchtbaren Ackerflächen.

In der anschließenden Diskussion mit den Politiker*innen spricht NR-Abgeordnete Olga Voglauer die Landflucht an und fordert einen sparsamen Umgang mit Land ein: Boden erhalten ist ein Zukunftsthema!

Gemeinderätin Huem Otero betont die Wichtigkeit, die Themen Ernährung und Landwirtschaft grünintern in Wien stärker zum Thema zu machen.

NR-Abgeordnete Ulrike Fischer appelliert an die Wiener*innen, die Böden zu schützen: die Böden sind in Wien vermutlich besser als in Niederösterreich, wo sie teilweise stark degradiert und ausgelaugt sind.

Die Lancierung eines Bodenschutzvolksbegehrens in Wien sowie Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung und in der Politik kristallisieren sich als Handlungsoptionen heraus. Der Schutz fruchtbarer Ackerflächen muss auch in die Ernährungsstrategie Wien aufgenommen werden. Wir werden einen Antrag auf Beitritt des Bezirks zum Bodenbündnis bei der nächsten Bezirksvertretung einbringen – die Bezirke Wieden und Ottakring sind bereits assoziierte Mitglieder.

www.bodenbuendnis.or.at
www.bauern.gruene.at
www.forum-csr.net

Die Grünen Floridsdorf widmen das nächste Gesprächsforum am 7. Oktober​ dem Thema „Landwirtschaft braucht Boden“ - Wir freuen uns auf zahlreiche Teilnahme!

Arbeitsgruppe Stadtlandwirtschaft der Grünen Floridsdorf:
Heinz Berger, Gerda Daniel, Alexander Tschirk, Molly Wurth

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