Bezirkegruene.at
Navigation:
am 13. April

Gaswerk Leopoldau - Ein innovatives Gesamtprojekt

Webredaktion Grüne Floridsdorf - Auf dem ehemaligen Gaswerksgelände Leopoldau entsteht demnächst ein Siedlungsgebiet, das außergewöhnliche Innovationen und Besonderheiten mit sich bringt. Der Standort hat einerseits aufgrund der dort vorhandenen Altlast, andererseits auch aufgrund seiner einzigartigen architektonischen Qualität öffentliche Aufmerksamkeit erregt.

Denkmalgeschützte Bauten

Die Altlast

Im Gaswerk Leopoldau wurde von 1912 bis 1969 Gas aus Kohle hergestellt. Das Gaswerk war während des 2. Weltkriegs - wie viele Betriebe in dieser Zeit - Ziel von Bombardements der Alliierten und es kam im Zuge dessen zu Verunreinigungen des Bodens und des Grundwassers mit Cyaniden, polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen und anderen Rückständen.

Die Altlast wurde durch Doppelkammerdichtwand sowie durch eine Reihe von Sperrbrunnen abgesichert und damit eine Verunreinigung des Grundwassers verhindert. Umfassende Informationen findet man dazu auf der Seite des Umweltbundesamtes:

http://www.umweltbundesamt.at/umweltsituation/altlasten/verzeichnisse/sanaltlasten/wien/w20/
Bezirksrätin Gabi Tupy, Umweltsprecherin der Floridsdorfer Grünen: „Die Experten des Umweltbundesamtes haben uns versichert, dass eine Altlast wie hier beim Gaswerk Leopoldau technisch abgesichert werden kann, sodass eine Benützung der Bauwerke sowie der Freiflächen gefahrlos möglich sein wird. Auf Keller und Tiefgaragen sollte in diesen Bereichen jedoch weitgehend verzichtet und der Oberboden ausgetauscht werden. Dann bestehe keine Gefahr.“

Die Flächenwidmung

Nach dem einjährigen kooperativen Planungsverfahren, bei dem interessierte BezirksbewohnerInnen drei AnrainerInnen-Vertreter nominierten, kam die Flächenwidmung zum Gaswerksareal im August und September 2014 in die Öffentliche Auflage.

Nach dem Beteiligungsprozess wurde das Ergebnis in der Bezirksentwicklungskommission vorgestellt und diskutiert. Im Bauausschuss wurde die Wichtigkeit von ausreichenden Grünflächen und dem Schutz der denkmalgeschützten Bauten festgehalten und beides floss in eine gemeinsame Stellungnahme des Bauausschusses ein. Die Flächenwidmung zum Gaswerks-Areal stand in der Sitzung der Bezirksvertretung am 24. September 2014 zur Abstimmung und wurde mit dieser gemeinsamen Stellungnahme mehrheitlich angenommen.

Der Gemeinderatsbeschluss für die Flächenwidmung zum Gaswerksareal erfolge am 19. Dezember 2014 mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP und Grünen.

Der Bauträgerwettbewerb

Nach der Flächenwidmung wurde ein umfangreicher Bauträgerwettbewerb gestartet. Das Gebiet wurde in mehrere Baufelder aufgeteilt. Vorgabe war, dass die Wohnbauträger auch für etwaige denkmalgeschützte Bauten in ihrer Parzelle eine Sanierung und Nutzung mitzuentwickeln haben.

Am 26. Jänner 2017 wurden in der Bezirksentwicklungskommission die Ergebnisse des Bauträgerwettbewerbs präsentiert.

Die denkmalgeschützten Bauten sollen saniert und einer Nutzung zugeführt werden.
Klubobfrau Susanne Dietl und ihr Stellvertreter Gerhard Jordan sind sich einig: „Durch den Bauträgerwettbewerb ist ein tolles Gesamtprojekt entstanden, das viele innovative Ansätze und Besonderheiten hat und einen Mehrwert für das Grätzl schafft.“

Fakten aus dem Bauträgerwettbewerb


  • Statt der 1.400 Wohnungen, die laut Flächenwidmung möglich sind, werden wegen des schützenswerten Ortsbildes aufgrund von Einwänden der Fachjury deutlich weniger realisiert, nämlich ca. 1.200.
  • Jedes der Baufelder hat seine eigenen innovativen Highlights: Eines des Projekte hat besonders hohe ökologische Standards, eines anderes plant in Kooperation mit dem Jugendzentrum "Bahn Frei" für einen Jugendschwerpunkt. Auf einem Baufeld entsteht ein Baugruppenprojekt, das in hohem Maß auf Beteiligung der künftigen BewohnerInnen setzt.
  • Für die denkmalgeschützen Bauten gibt es teilweise auch schon Nutzungen, so wird z.B. eine Fabrikhalle ein Depot für Bühnenmaterialien werden.
  • Das gesamte Areal wird autofrei und bekommt am Rand drei Sammelgaragen mit Mobility-Points; die Anbindung erfolgt durch zwei neu geführte Autobuslinien.
  • Die Baukörper werden so errichtet, dass der Altbaumbestand mit seinen Alleen weitgehend erhalten werden kann.
  • Es wird in den ersten zwei Jahren ein Gesamtmanagement geben, an das sich interessierte MieterInnen wenden können.
Bezirksrat Heinz Berger: „Wir haben uns in der Bezirksentwicklungskommission dafür eingesetzt, dass das Gesamtprojekt in einer Ausstellung der Bevölkerung präsentiert werden soll!“

Das Fazit der Floridsdorfer Grünen zum Bauvorhaben am Gaswerk:

Die Ergebnisse des Bauträgerwettbewerbs überzeugen: Das Gesamtergebnis bietet eine Siedlungsentwicklung, die nicht nach dem 08/15-Motto erfolgt, sondern etliche Besonderheiten aufweist, die nur hier und nirgendwo anders zu finden sind.  Uns Floridsdorfer Grünen ist wichtig, dass bei der Verwertung der denkmalgeschützten Gebäude in erster Linie soziale und kulturelle Nutzungen ins Auge gefasst werden.

Der Standort auf einer gesicherten Altlast stellt laut Umweltbundesamt keine Gefahr dar, muss aus Grüner Sicht den künftigen MieterInnen aber kommuniziert werden. Wir fordern außerdem eine regelmäßige Überprüfung der Altlast und der Dichtwand. Denn polyzyklische Kohlenwasserstoffe, wie hier auf dem Gaswerksgelände, bleiben länger als 100 Jahre nahezu unverändert. Eine Dichtwand hält laut Umweltbundesamt 50 Jahre plus und muss nachgedichtet werden, um das Grundwasser nicht zu gefährden. Zweifellos wäre die beste Lösung ein Vollaustausch des Bodens gewesen, diese ist aber leider nicht finanzierbar, aber immerhin wurden 70.000 Tonnen Erde ausgetauscht.

Weiterlesen:

Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe
Umweltschädlich! Giftig! Unvermeidbar?

https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/376/publikationen/polyzyklische_aromatische_kohlenwasserstoffe.pdf

Informationen seitens des Grundstückeigentümers Neu-Leopoldau Verwertungsgesellschaft:

http://www.wse.at/#Neu-Leopoldau/1466