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am 7. Oktober

Schutzzone Am Spitz beschlossen

Gerhard Jordan - Am 27. September beschloss der Wiener Gemeinderat die Einrichtung einer Ortsbild-Schutzzone im historischen Zentrum von Floridsdorf rund um den Spitz. In der Debatte sprach auch Christoph Chorherr zu dem Thema. Am 6. Oktober um 14 Uhr findet für Interessierte ein Info-Spaziergang mit Bezirksrat Gerhard Jordan statt.

Am 27. September 2018 beschloss der Wiener Gemeinderat einstimmig die Schaffung der Ortsbild-Schutzzone rund um den Spitz. Damit wurde ein Prozess, der sich seit der ersten Antragstellung und Diskussion im Bezirk mit einem Konzept-Vorschlag aus 2011 über den nach dem Abriss des Donaustädter Hopf-Hauses​ gestarteten neuerlichen Anlauf mit der 2015 verhängten Bausperre bis zur öffentlichen Auflage des Plandokuments und zur positiven Stellungnahme der Bezirksvertretung Floridsdorf am 13. Juni 2018 über 8 Jahre hinzog, abgeschlossen.

Mehr Infos und Fotos auf dem "GrünRaum Donaufeld"-Blog.

Eines der bemerkenswertesten Häuser ist jenes Am Spitz 9 – errichtet in der Zeit des Vormärz, der Innenhof wurde um 1900 im Jugendstil umgestaltet.
Grätzlspaziergang

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Am 6. Oktober 2018 gibt es für Interessierte einen Grätzl-Spaziergang, bei dem vor Ort über die Gebäude in der Schutzzone und über deren Besonderheiten und Geschichte informiert wird. 

Treffpunkt:  Samstag, 6. Oktober 2018,  14 Uhr, vor dem Amtshaus Am Spitz 1.

Dauer: ca. 1:30 Stunden

​Teilnahme gratis.


Rede von Christoph Chorherr zur Schutzzone Am Spitz
Portraitfoto Christoph Chorherr, Foto: Keinrath
Christoph Chorherr, Abgeordneter zum Wiener Gemeinderat

Gemeinderat Christoph Chorherr hielt bei der Sitzung, in der Beschluss gefasst wurde, eine Rede, die wir hier wiedergeben. 

"Der heutige Beschluss des Plandokuments Nr. 8216 hat eine lange Geschichte.  -  Diese Geschichte geht eigentlich sogar über 120 Jahre zurück:  Ende des 19. Jahrhunderts gab es Überlegungen, dass Floridsdorf die Hauptstadt Niederösterreichs werden könnte. Das wäre eingetreten, wenn Wien eine reichsunmittelbare Stadt geworden wäre, wozu es letztendlich nicht kommen sollte. 

Aber Floridsdorf bereitete sich in den 1890er-Jahren auf diese Rolle vor.

Das heutige Amtshaus des 21. Bezirk, das vielen vielleicht überdimensioniert scheint, wurde von 1901 bis 1903 als repräsentatives Rathaus einer selbstbewussten Großgemeinde errichtet - also noch BEVOR es mit Jahresende 1904 zur Eingemeindung Floridsdorfs nach Wien - als neuer 21. Bezirk - kam.   

Rund um dieses Amtshaus entstanden in dieser Zeit auch andere repräsentative Gebäude:  das monumentale Kaufhaus Wodicka aus 1907 etwa, oder das "Sild-Haus", ein um 1905 vom Otto Wagner-Schüler Friedrich Dietz von Wiedenberg errichtetes Jugendstilhaus, das fast jedem auffällt, der vom Spitz zur Prager Straße geht oder fährt.  

Aber es gibt in diesem Grätzl auch noch ältere Bausubstanz, die interessant ist:  Ebenerdige und einstöckige Häuser an der Ostseite der Floridsdorfer Hauptstraße, deren Trakte und Höfe auf die Zeit des Vormärz zurückgehen, einer dieser Höfe wurde später secessionistisch ausgestaltet.  

Die Umgebung des Spitzes, am Ausgangspunkt von Brünner und Prager Straße, war das einzige wirklich urbane Zentrum Floridsdorfs, das großteils aus kleinen Marchfelddörfern mit Feldern dazwischen (und später einigen Industriebetrieben, v.a. entlang der Brünner Straße) bestand.  

Und noch heute bildet der Spitz, gemeinsam mit dem später entstandenen Franz-Jonas-Platz, das Bezirkszentrum.  

Dieses Bezirkszentrum befindet sich gerade in einer Phase des Wandels und der Entwicklung, und Projekte wie der Neubau des INTERSPAR, der Umbau des ehemaligen Woolworth-Gebäudes und die Umgestaltung des Pius-Parsch-Platzes vor der Floridsdorfer Pfarrkirche zeugen davon.  

Diese neuen Impulse werden nun, mit der vorliegenden Widmung, durch einen Impuls ergänzt, der dazu beitragen wird, die historische Besonderheit der gründerzeitlich geprägten Umgebung des Spitzes zu erhalten.  

Die Forderung nach einer Ortsbild-Schutzzone nach §7 der Wiener Bauordnung haben die Bezirks-Grünen in Floridsdorf schon vor über 8 Jahren erhoben, und im Bauausschuss sogar ein detailliertes Konzept eingebracht, das auch von den anderen Fraktionen positiv aufgenommen wurde.  

Es hat einige Zeit gedauert, und nicht zuletzt der 2014 erfolgte Abriss des Hopf-Hauses in der Donaufelder Straße 241 - das schon im 22. Bezirk lag -  hat die Wichtigkeit dieser Maßnahme bewusst gemacht.

Im Jahr 2015 haben wir hier im Gemeinderat eine Bausperre beschlossen, die leider für zwei gründerzeitliche Häuser in der Schwaigergasse zu spät kam - sie wurden kurz davor abgerissen.  

Jetzt sind aber alle nötigen Schritte gesetzt worden:  Es gab eine öffentliche Ausstellung im Haus der Begegnung in der Angerer Straße, bei der Öffentlichen Auflage gab es KEINE Einwände von Grundbesitzern (was bemerkenswert ist, zumal einige Gebäude an der Floridsdorfer Hauptstraße künftig eine niedrigere Bauklasse haben werden als bisher), und die Floridsdorfer Bezirksvertretung hat die Schaffung der Schutzzone in ihrer Stellungnahme einstimmig begrüßt.  

Inzwischen ist ja durch die zu Sommerbeginn beschlossenen neuen Bestimmungen der Bauordnung gewährleistet, dass schützenswerte Gründerzeit-Gebäude auch außerhalb von Schutzzonen nicht einfach mir nichts dir nicht abgerissen werden können.

Die Schutzzone für das rund um den Spitz noch großteils existente Ensemble ist trotzdem ein Schritt, der sehr zu begrüßen ist:  damit signalisiert die Stadt Wien nämlich, dass nicht nur die noch reichlich vorhandene gründerzeitliche Bausubstanz im Zentrum der Stadt eine Bedeutung hat, sondern auch jene Bereiche jenseits der Donau, wo Architektur der vorletzten Jahrhundertwende vergleichsweise spärlich gesät ist, aber gerade deswegen umso erhaltenswerter.  

In diesem Sinn freut es mich, dem Plandokument meine Zustimmung zu geben."