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am 10. August

Bäume vor den Vorhang

Angelika Pauer, Erik Pauer - Groß ist die Vielfalt an Bäumen in unserem Bezirk: Nicht nur hinsichtlich der vielen verschiedenen Arten, auch die Standorte, Stressfaktoren und Lebensqualitäten unserer Bäume unterscheiden sich drastisch. Wie lebt es sich aus Sicht eines Baumes? Um das zu erfahren, unternehmen wir mit euch einen Streifzug durch unsere Baumlandschaft und bitten immer wieder einen neuen Vertreter vor den Vorhang.

Postkartengruß aus Obermünkheim

Nur Wenige von den Wenigen, die heute noch in meinem Schatten Kühle suchen, nachdem sie schon fast den mühsamen Aufstieg vom tief eingeschnittenen Kochertal hinauf zum hochgelegenen Weiler Sülz geschafft haben, fragen mich, gleich wie ich, warum ich so aussehe wie ich aussehe; so anders als meine Schwestern. Nun, um offen zu sein, ich weiß es nicht mehr, es mag sein, dass es mir gefiel, denn wir Eichen sind stark im Sein und im Dienen.

Manche meiner Schwestern gaben ihr Gebein schon vor Baumesaltern den Menschen, damit sie daraus starke Höfe errichteten, die gedacht und gemacht waren, dem hier doch sehr rauen Wintern und Winden zu trutzen. Und trutzen tun sie noch heute. Seien die Gefache und Gedache auch schon morsch und wüst und oft geflickt, das Fachwerk, das die Menschen hier aus ihnen gefügt, hält auch heute noch so manchem Versuch, es zu schleifen, wacker stand.​


So steh ich hier und erhasche noch dann und wann einen Blick auf den Kocher, der sich brav in seinem Bette halten muss, wo er doch schon seit kläglich langer Zeit sein Tal mit einer – muss ich es so nennen – einer Straße teilen muss, auf der kein Halm wächst und an deren Rand kein Baum steht.​

(Aus dem Entischen übersetzt von Jürgen Schwingshandl​)

Der fahrradfreundliche Tulpenbaum                                                                          

Blüte des Liriodendron Tulipifera

Ich stehe im Schulverkehrsgarten der Polizei in der Tetmajergasse. Ich 20 Meter hoch, hab einen Kronendurchmesser von 12 Metren und einen Stammumfang von 186 Zentimeter.

Warum ich Tulpenbaum heiße? Genießt den Anblick meiner wunderschönen, kelchförmigen Blüten, dann ist es euch klar! Ich gehöre zur ursprünglichsten aller lebenden Blütenpflanzenarten. Die ältesten Nachweise meiner botanischen Vorfahren, das sind magnolienähnliche Gewächse, sind mindestens 100 Millionen Jahren  alt.

Genutzt werden ich und meine Baum-Geschwister als Park- und Zierbäume. Wir wachsen zu stattlichen Bäumen heran, und unsere attraktiven Blüten sind von April bis in den Juni hinein zu bewundern. Im Herbst färben wir unsere Blätter leuchtend goldgelb und tragen so zur Farbenpracht bei.

Im Schulverkehrsgarten zu leben ist eine feine Sache. Ich finde es nett, wenn die Kinder zum Üben kommen um dann die Prüfung für den Fahrradführerschein  abzulegen. So ein Fahrradführerschein ist toll: gibt den Kindern Freiheit und den Eltern ein Gefühl der Sicherheit. Hätte ich Beine statt Wurzeln würd ich auch Fahrrad fahren. Nur hört man immer wieder: Mit den Radverkehrsanlagen im Bezirk könnte es besser ausschauen. Es fehle an einem durchgängigen Radverkehrsnetz und direkten Verbindungen ins Bezirkszentrum. Ich kann es ja von meinem Standort aus nicht beurteilen, aber wenn dem so ist, lässt sich das ja aus Menschenhand ganz einfach ändern, oder?

Der Zürgelbaum – Klimafitter Stadtbaum der Zukunft!​                                        

Ich bin ein schöner Baum mit ausladender Krone und vielen anderen Vorzügen. Ich stehe in der Johann-Weber Straße, aber ihr könnt meine Artgenossen inzwischen in ganz Wien antreffen. Mein Name lautet Europäischer Zürgelbaum (Celtis australis) und ich gehöre zu den Hanfgewächsen (Cannabaceae). Toll, oder? Ich könnte ein wahres Loblied über meine Familienangehörigen singen, aber hier soll es ja um Stadtbäume gehen.

Meine Art stammt aus dem trockenen und heißen Mittelmeergebiet. Das macht mich prädestiniert für die heißer werdenden Städte in Zeiten des Klimawandels. Ich halte die dreckige Luft genauso aus wie die Hitze. Meine Blüten und Früchte dienen vielen Insekten und Vögeln als Nahrung. Wenn es mir gut geht, kann ich mehrere hundert Jahre alt werden. Die MA42 setzt zu recht auf uns. In Zeiten des Klimawandels sind wir Zürgelbäume echte Zukunftsbäume!

Der Holunder in der Hassingergasse                                                                             

Seit ungefähr 70 Jahren stehe ich hier in der Leopoldau und bin wegen meiner ungewöhnlichen Größe als Naturdenkmal geschützt. Meine Heimat hat sich stark verändert. Vor meiner Zeit gab es hier öfters mal Überschwemmungen, aber davon kann keine Rede mehr sein. Momentan beschäftigt mich der starke Zuzug nach Floridsdorf, und die trockenen und heißen Sommer. Wie auf dem Foto zu sehen, wurden meine oberen Äste abgeschnitten. Ich vermute, dass es an der Angst liegt, es könnte mein Ast zufälligerweise jemanden auf dem Kopf fallen. Und dann würde die Stadt verklagt werden. Gab es schon mal. Sucht mal in Google nach „Baumurteil St. Pölten“! Und deshalb werden ältere Bäume in der Stadt sicherheitshalber abgemurkst und  Wanderwege gesperrt. Liebe Menschen, ihr solltet vor lauter Risikominimierung und Regulierungswut nicht aufs Leben vergessen!

Ich besitze viele Talente und Heilkräfte. Zu Urzeiten glaubte man, dass in meinen Ästen die Schutzgöttin Holda lebt, die böse Zauberer abwehrt. Tatsächlich kann ich Böses abwehren, denn meine Blüten und Beeren besitzen Heilkräfte und helfen gegen grippale Infekte. Der Saft aus meinen Blüten ist zurecht hochbegehrt. In der Steiermark befinden sich übrigens die größten Holunderplantagen Europas. Ich bin auch für Vögel und Insekten ein wertvoller Futterbaum. Außerdem bin ich recht robust und eine echte Augenweide.

Die magische Linde am Bisamberg                                                                


Seit langer Zeit stehe ich nun schon im Herrnholz, ganz nahe an der Kreuzung Stammersdorfer Kellergasse/Mitterhaideweg. Ich bin eine Winterlinde, und wegen meiner ganz besonderen Ausstrahlung wurde ich zum Naturdenkmal ernannt.

Wenn wir schon bei der Ausstrahlung sind: Wir Linden haben für euch Menschen schon immer eine ganz besondere Bedeutung gehabt. Vor sehr langer Zeit waren wir der Liebesgöttin Freya gewidmet. Unter Linden wurden Trauungen vollzogen. Auch später noch galten wir als Bäume der Liebe. Der Minnesänger Walther von der Vogelweide besang die Liebe unter einem Lindenbaum. In manchen Gegenden gibt es die Tradition der Tanzlinde, unter der sich bei Frühlingsfesten Mädchen und Burschen näherkommen konnten. Besucht mich mal und schaut auch meine freundlich grünen, herzförmigen Blätter an – dann werdet ihr das gut verstehen!

Außerdem wurden früher unter den Linden Versammlungen abgehalten und Gericht gesprochen. Ich finde es übrigens sehr wichtig, dass ihr Menschen euch versammelt. Ich stehe gerne als Treffpunkt zur Verfügung. Die vielen schönen Lindenalleen in den alten Dörfern und bei Schlössern zeugen von eurer Wertschätzung uns Linden gegenüber.

Wir Linden glänzen nicht nur mit Schönheit und Aura, sondern auch mit Heilkraft. Lindenblütentee hilft gegen Erkältungen, und meine schmackhaften jungen Blätter könnt ihr als Salat essen oder als Smoothie zubereiten. Auch Hildegard von Bingen lobte meine Heilkraft in höchsten Tönen.

Zum Abschluss möchte ich euch noch ein Zitat von Martin Luther mitgeben: „Unter der Linde pflegen wir zu trinken, tanzen, fröhlich sein, denn die Linde ist unser Friede- und Freudebaum“.

Der Trauerschnurbaum am Pius-Parsch-Platz.                                    

Ich stehe seit ungefähr 80 Jahren am Pius-Parsch-Platz vor der Kirche St. Jakob. Mein bemerkenswerter Wuchs wird manchmal als „bizarr“ und „asymetrisch“ bezeichnet. Ich ziehe es aber vor, als „markantes Baumindividuum“ bezeichnet zu werden!

Meine Extravaganz hat dazu geführt, dass ich als Naturdenkmal unter Schutz gestellt wurde. Dabei hat sich insbesonders Josef Bauer verdient gemacht. Er war ein Urgestein der Floridsdorfer Grünen, ein Hainburg-Aktivist, dem der Schutz der Natur bis zu seinem Tod ein großes Anliegen war. Denkt auch an ihn, wenn ihr mich bewundert! Ich habe schon viele Veränderungen in meinem Umfeld erlebt, wie zum Beispiel die U6 Verlängerung nach Floridsdorf im Jahre 1996 oder die Umgestaltung des Pius-Parsch-Platzes vor Kurzem. Na das war eine wilde Geschichte: Da wurde völlig rücksichtslos Baumaterial auf meiner Baumscheibe abgelagert, trotz Naturdenkmal, und trotz der Tatsache, dass ich stark verdichteten Boden gar nicht leiden kann. Dank des beherzten Eingreifens einer grünen Bezirksrätin wurde dieser Missstand wieder behoben. Und überhaupt – der neue Pius-Parsch-Platz: Ein bisserl mehr Grün und ein bisserl weniger Grau wäre ganz nett gewesen!

Meine Art (Sophora japonica) wird auch Pagodenbaum genannt und stammt ursprünglich aus Ostasien. Dort werden meine Artgenossen bis zu 30 Meter hoch. Ich blühe im Hochsommer und diene dann als wertvolle Bienenweide. Ich zähle zu den klimafitten Stadtbäumen, da ich Hitze, Trockenheit und Abgase ganz gut vertrage. Auch Nährstoffmangel macht mir nichts aus, weil ich – mit Hilfe von Bakterien – selbst Stickstoff aus der Luft binden kann.

Ein Olivenbaum über die (Un-)Endlichkeit des Seins                          

Ich bin ein bereits in die Jahre gekommener Olivenbaum. Nachdem ich aus Griechenland importiert wurde, verbrachte ich meine ersten Lebensjahre im 20. Bezirk, und seit einigen Jahren schon lebe ich auf der richtigen Seite der Donau.

Ihr wisst, dass ich ein mediterraner Baum bin. Darum ist es bemerkenswert, dass ich diesen außerordentlich milden Winter erstmals im Freien verbracht habe.

Ich lebe begrenzt, ich lebe in einer dauernden Ausgangsbeschränkung, ich bin eine Topfpflanze. Meine Krone und mein Wurzelstock wurden immer wieder gestutzt, damit ich mit den mir vorhandenen Ressourcen auskomme. Das mag manchmal schmerzhaft gewesen sein, aber das setzt auch unglaublich viel Energie in das Bilden neuer Wurzeln und neuer Triebe frei und lässt mich meine gestalterische Kraft immer wieder spüren.

Meine menschlichen MitbewohnerInnen verbringen gerade mehr Zeit als sonst mit mir, und so weiß ich auch, dass ihr Menschen in einer „Krise“ seid.

Krise, das ist griechisch und bedeutet so viel wie: entscheidende Wendung. Also steht ihr Menschen vor einer entscheidenden Wendung. Das lässt mich wieder an den eingangs erwähnten, viel zu warmen Winter denken…

Ich denke, bei eurer entscheidenden Wendung geht es darum, die Endlichkeit aller Dinge anzuerkennen. Egal ob es sich um Ressourcen des Planeten oder um Menschen, die ausgebeutet werden, handelt, um die Anzahl der vorhandenen Intensivbetten oder um das eigene, endliche Leben.

Nichts was ihr seht, ist von Bestand,

Nichts was ihr habt, habt ihr in der Hand.

In der Hand habt ihr das was nicht ist,

darum lass los, und erkenne, du bist!

(Rainer von Vielen, 2008)

Jetzt werdet ihr zwar gestutzt und dadurch erfahrt ihr eine Krise. Aber vielleicht ist es die Chance, die ihr braucht, um euch mit der Gestaltungskraft der neuen Wurzeln und Zweige, die ihr bald schlagen und treiben werdet, zu einer ökologischen und klimagerechten Lebensweise hinzuwenden.

Unendlich ist nur die Veränderung bzw. das ewige Werden, Bestehen und Vergehen.

Der trostspendende Hahnendorn                                                            

Ich bin einer von mehreren unterschiedlichen Jungbäumen am Stammersdorfer Zentralfriedhof. Seit einiger Zeit gibt es hier nämlich mit uns sogenannten „Familien- und Freundschaftsbäumen“ die Möglichkeit, in der Natur die letzte Ruhestätte zu finden und sich direkt bei einem Baum in einer Urne bestatten zu lassen. Neben mir als Hahnendorn stehen noch fünf weitere Baumarten als Mittelpunkt der Grabanlage zur Auswahl: Etagen-Hartriegel, Zierbirne, Blutpflaume, Säulenmehlbeere oder Zierapfel.

Sehr oft kommen Menschen auf Besuch, um hier an ihre lieben Verstorbenen zu denken. Ich hoffe, dass sie durch mich etwas Trost finden können. Wie meine Freunde bin auch ich jetzt noch sehr klein, weil die Baumbestattung am Stammersdorfer Friedhof noch nicht so lange besteht und wir alle frisch gepflanzt wurden. Im Alter erreiche ich dann eine stolze Höhe von 6 bis 8 Meter, und ich hoffe, dass dann meine Baumkrone auch ein ideales Nistgehölz für Vögel ist.

Meinen Namen habe ich übrigens von den langen Dornen an meinen Zweigen, ein Merkmal, dass ich mit vielen anderen Pflanzenarten der Familie der Rosengewächse teile. Meine weißen, bei Bienen beliebten Blüten zeige ich im Mai und Juni. Meine Früchte, die gerne von Vögeln genascht werden, sind rot und sehr lang haftend. Im Herbst verfärben sich meine Blätter in ein leuchtendes orangerot. Das macht mich zu einem beliebten Ziergehölz.

Der fruchtbare Kirschbaum                                                                           

Ich bin ein Kirschbaum und lebe in einem Weingarten an der Oberen Jungenberggasse am Bisamberg. Das Foto stammt vom 20.03.2020. Momentan erfreuen sich nicht nur viele Spaziergeherinnen und Spaziergeher an meiner Blütenpracht; auch für viele Insekten biete ich eine wichtige Nahrungsquelle in diesem noch so jungen Frühling.

Meine Blüten sind ein Sinnbild für Glück, Schönheit und Reinheit, sowie für Aufbruch und Neubeginn. Gleichzeitig verblühen meine Blüten schnell, lösen sich sanft vom Kelch und gleiten sanft zur Erde: So symbolisiert meine Blütenpracht auch den vollkommenen, gelassenen Tod sowie die Gleichgültigkeit gegenüber irdischen Dingen.

Mich ehrt es sehr, dass die offizielle Pflanze unseres Partnerbezirks Katsushika, ein Bezirk Tokios, die Kirschblüte ist. In Japan wird die Zeit der Kirschblüte Sakura genannt. Zu dieser Zeit wird der Beginn des langersehnten Frühlings gefeiert.

Will man Kirschblüten sehen, lohnt sich momentan ein Besuch im Kirschblütenpark an der Tokiostraße. Ich weiß, ihr Menschen müsst momentan eine ein-Meter-Abstand-Regel einhalten und seid in euren Freiheiten beschränkt, und so weiter. Aber gerade in Zeiten der Sorge braucht ihr uns Kirschbäume als Kraftbäume, denn wir wirken wärmend und erheiternd,  sorgen für Optimismus und wecken dynamische Energien: All das wirkt belebend und stärkt so euer Immunsystem.

Die Schwarzlackenauer SilberpappelN                                                     

Das Foto von uns stammt vom 15. März 2020 und wir stehen im Jedleseer Aupark, an der Überfuhrstraße und der Donauuferautobahn auf der einen, dem Sportplatz und der Lorettowiese auf der anderen Seite.

Unsere Baumahnen lebten in einem richtigen Auwald an der Donau, die einst aus vielen Seiten- und Nebenarmen bestand. Immer wieder wurde der Wald überflutet, Ufer erodierten, anderswo wurde Schutt abgelagert, die  Stellen verlandeten. Es war ein ständiges Entstehen und Vergehen. Für unsere Vorfahren war das richtig fein, diese Dynamik, mit der wir Silberpappeln richtig gut zurecht kommen.

Später war die Schwarze Lacke ein stehendes Gewässer, die nur bei Hochwasser ein fließender Nebenarm der Donau war. Auf der Insel zwischen dem damaligen Hauptstrom der Donau und der Schwarzen Lacke waren Auwälder und Wiesen.

Einige Donauregulierungen später, hat sich unser Lebensraum ziemlich verkleinert. Die Schwarzlackenau ist besiedelt, der Altarm  zugeschüttet und begrünt.

Vielleicht habt ihr euch schon gefragt, warum wir wissen, dass es hier früher ganz anders ausgeschaut hat? Wir Bäume sind tausendfach verbunden und verwurzelt, das macht uns zu recht geselligen Wesen. Über das Wurzelwerk  und  Pilzgeflechte in der Erde können wir uns miteinander austauschen, uns Geschichten und Sagen erzählen, uns aber auch vor Fressfeinden warnen oder einander unterstützen.

Manche Bäume leben in eheähnlichen Beziehungen. Das erkennt man, wenn die Wurzeln zweier Bäume stark verschlungen und einander zugewandt sind, während die Kronen auseinanderwachsen, um nicht um das Sonnenlicht zu konkurrieren.

Von den Erzählungen unserer Baumahnen wissen wir, dass so eine Überflutung im Auwald etwas ganz Feines ist. Wir stellen uns vor, es ist, als würden unsere Beine und Füße angenehm massiert werden. In Wirklichkeit kennen wir dieses Gefühl  gar nicht. Wasser von unten und oben wird immer weniger, die Temperaturen höher. Wir träumen davon, so eine Massage einmal zu erleben. Wie kann Wasser zu uns in den Aupark gelangen?

Wien und die unregulierte Donau auf der Josephinischen Landaufnahme um 1790
Schwarze Lacke und seine Umgebung (Auszug aus dem Aufnahmeblatt der Landesaufnahme 1872

Die traurige Fichte                                                                                               

Ihr kennt mich alle, ich bin eine Fichte (Picea abies). Ich stehe seit 1979 an der Ecke Stammersdorfer Straße/Johann-Weber Straße.

Wir Fichten sind wirtschaftlich die wichtigste Baumart in Österreich. Unser Holz ist ein Traum, da wir einen geraden Stamm haben, und unser Holz leicht zu bearbeiten ist. Außerdem wird aus uns hochwertiges Papier gemacht, und Fichtenharz fand früher vielfältige Anwendung.

Eigentlich sind wir in den Bergen heimisch und lieben feuchtes, kühles Wetter. Wegen unserer Talente wurden meine Artgenossen lange Zeit  überall im Land angepflanzt. Dass das keine besonders gute Idee war, ist schon länger bekannt. Durch den Klimawandel geht es uns aber nun ziemlich an den Kragen: Die extreme Hitze und Trockenheit der letzten Sommer tut uns wirklich sehr weh – AUTSCH! Dieser Stress schwächt uns so sehr, dass wir ganz anfällig für Schädlinge werden.

Wenn es mir schlecht geht, dann sieht man bei mir keine buschigen dunkelgrünen Nadeln, sondern es hängen dürre, kahle Zweige herunter. Ihr Menschen nennt das Lamettasyndrom.  Auch die Luftverschmutzung setzt mir stark zu. Mit meinen gut 40 Jahren bin ich noch ein ziemlicher „Jungspund“, denn Fichten können mehrere hundert Jahre alt und über 50 Meter hoch werden. Ich hoffe, dass ich mindestens noch 100 Jahre durchhalte. Optimistisch bin ich aber ehrlich gestanden nicht.

Ich stehe übrigens auf einer Grünfläche, die lieblos gestaltet ist. Ich hätte da ein paar Verbesserungsvorschläge: Es könnten ja ein paar heimische Sträucher gepflanzt werden, die schön blühen, Beeren ansetzen und vielen Tieren Nahrung bieten. Ein Stadtwäldchen, das wäre fein!

Die Schwarzföhre beim Friedhof                                                                 

Ich stehe vor den Toren des Friedhofs Großjedlersdorf und wache über das Kriegerdenkmal an der Kreuzung Jedlersdorfer Straße und Strebersdorfer Straße.  In Österreich nennt man mich Schwarzföhre (Pinus nigra). Im Englischen höre ich auf den schönen Namen „Austrian Pine“. Ich bin äußerst robust und halte die Bedingungen in der Stadt ganz gut aus. Begeistert bin ich nicht über die vielen Fahrzeuge, die an mir täglich vorbeirollen, aber wenigsten gibt es einen ordentlichen Radweg, der an mir vorbeiführt: baulich getrennt, genug Platz - so soll`s sein!

Früher hat man das Harz von uns Föhren genutzt, und für Lacke und als Geigenharz eingesetzt. Das ist allerdings Vergangenheit, die „Pecherei“ wird nur von ein oder zwei Aussteigern als Liebhaberei betrieben.

Ich bin jedenfalls froh, nicht angeritzt zu werden. Lieber erfreue ich die Augen und bringe mit meinen immergrünen, buschigen Nadeln auch im Winter ein wenig Grün in die Stadt. Außerdem dienen meine Samen vielen Tieren als Nahrung.

Die 140-jährige Platane                                                                                   

Ich möchte zumindest 200 Jahre alt werden!

Ich heiße Ahornblättrige Platane (Platanus × acerifolia) und wachse nun schon seit 1879 im Wasserpark. Das sind über 140 Jahre. Für einen Baum in der Natur ein recht jugendliches Alter, aber in der Stadt ist das etwas Anderes. In Floridsdorf bin ich ich der älteste Baum auf öffentlichem Grund. Ich habe echt schon einiges erlebt: Als ich noch jünger war, war Floridsdorf sogar als mögliche Hauptstadt Niederösterreichs im Gespräch; dann ist Floridsdorf doch Teil von Wien geworden, das Kaiserreich ist zusammengebrochen, und die Kämpfe vom Februar 1934 habe ich fast hautnah miterlebt. Und dann ist es noch schlimmer geworden, und dann ist es wieder besser geworden. Wir Platanen sind schließlich etwas aus der Mode geraten, obwohl wir Luftverschmutzung gut aushalten, viel Schatten spenden und recht schön sind. Du erkennst uns leicht an der abschuppenden grau-braunen Rinde, den gelappten Blättern und an den stacheligen, runden Früchten. Ich halte Hitze und Kälte aus, aber ich brauche sehr viel Licht. Gefährlich werden kann mir die Massaria-Krankheit, eine sehr ungute Pilzinfektion. Die macht mir ab und zu Sorgen. Aber eigentlich plane ich noch weitere 140 Jahre im Wasserpark!