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am 3. März

Erfüllt das Baumschutzgesetz seinen Zweck?

Angelika Pauer - Zur Erhaltung einer gesunden Umwelt ist der Baumbestand im Gebiet der Stadt Wien geschützt - soviel zur Intention des Gesetzes.

Das Wiener Baumschutzgesetz

Zweck dieses Gesetzes ist die Erhaltung einer gesunden Umwelt für uns Stadtbewohner*innen. Dafür sind die Bäume des Stadtgebiets, die mehr als 40 cm Stammumfang in einem Meter Höhe aufweisen, geschützt, unabhängig davon, ob sich diese Bäume auf öffentlichem oder privatem Grund befinden. Ausgenommen sind Forst- und Obstbäume, Bäume in Baumschulen oder Gärtnereien sowie Bäume in Kleingartenanlagen.

Ist ein Baum zu entfernen, bedarf es einer behördlichen Bewilligung. Die wird dann erteilt, wenn beispielsweise die Bäume einen schlechten Erhaltungszustand aufweisen, sie sicherheitsgefährdend sind oder die Bäume wegen eines Bauvorhabens, Straßen-, Verkehrs- oder sonstigen Projektes entfernt werden müssen.

In der Regel wird die Bewilligung mit der Auflage erteilt, dass eine Ersatzpflanzung vorzunehmen ist, damit der Baumbestand erhalten bleibt. Es kann jedoch auch die Zahlung einer Ausgleichsabgabe vorgeschrieben werden. 

Warum Bäume schützen?


Mit Fortschreiten der Klimakrise ist mittlerweile hinreichend bekannt, dass Bäume wichtige Faktoren für ein angenehmes Mikro-Klima in der Stadt sind, da sie sowohl Schatten spenden als auch Wasser verdunsten und somit für Kühlung soregen. Außerdem können Bäume Luft- und Feinstaubpartikel filtern und sorgen so nicht nur für eine sauerstoffreichere, sondern auch für eine sauberere Luft.

Die – je nach Jahreszeit frischgrünen, sattgrünen oder farbigen Blätter – wirken sich erfreulich auf das Gemüt aus. Für viele Menschen dient „Waldbaden“ – das tiefe, meditative Eintauchen in den Wald – als wichtiger Ausgleich zum hektischen Alltag in unserer digitalisierten Welt. Aber auch ein Blick ins Grün am Heimweg von der Arbeit oder der Ausbildungsstätte lässt uns entspannen und abschalten.

Lebensraum Baumkrone


Eine richtige Schatzkiste der Biodiversität bilden die Baumkronen. Viele Vögel finden ihren Nistplatz in Bäumen. Weniger bekannt ist, dass auch sehr viele Spinnen und pflanzenfressende Insektenarten, wie die Raupen vieler Falter und Schmetterlinge, in den Bäumen leben. Auch manche Käferarten und Wildbienen bevorzugen lichte Baumkronen. 


Wird zu schnell gefällt?


Trotz der enormen Wichtigkeit von Bäumen für Mensch und Fauna entsteht immer wieder der Eindruck, dass dem Antrag auf Bewilligung einer Baumentfernung zu rasch nachgekommen wird. Auch dem Eindruck, dass vorschnell Krankheiten diagnostiziert und so die Entfernung behördlich vorgeschrieben wird, ohne dass gemäß Baumschutzgesetz eine entsprechende Nachpflanzung, sondern eine eher geringe Ausgleichszahlung zu leisten ist, kann man sich kaum erwehren, wenn man etwa den Fall der im Dezember 2019 gefällten Bäume in der Ichagasse betrachtet.

Grüne Forderung

Das Baumschutzgesetz ist an die Gegebenheiten des 21. Jahrhunderts anzupassen: Eine Nachpflanzung muss obligatorisch sein, und ist begründet davon abzuweichen, muss die Ausgleichszahlung dem umfassenden ökologischen und psychologischen Wert des Baumes entsprechen. ​

In den Geltungsbereich des Baumschutzgesetzes sollen auch Obstbäume, die auf nicht-landwirtschaftlichen Privatflächen wie Wohnhausanlagen, Gemeindebauten und Hausgärten stehen, aufgenommen werden.​​​