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am 17. April

Klimaschutz in Floridsdorf

Gabriele Tupy - Zehn Bezirke Wiens sind bereits Mitglied beim Klimabündnis und setzen Initiativen zum Klimaschutz. Der Umweltausschuss wird sich - auf eine neuerliche Initiative von uns Grünen hin - demnächst mit einer möglichen Mitgliedschaft des 21. Bezirks beim Klimabündnis auseinandersetzen.


2018 führte die Europäische Kommission in allen Mitgliedsstaaten eine umfassende Umfrage zur Entwicklung einer Strategie für die langfristige Verringerung der Treibhausgasemissionen durch. Die Erkenntnisse flossen in die Erarbeitung einer langfristigen Strategie zur Reduktion von Treibhausgasemissionen ein. Ende 2018 wurde das Ergebnis der Öffentlichkeit vorgestellt und versteht sich als eine strategische Vision, welchen Beitrag die EU zur Umsetzung des Übereinkommens von Paris (ÜvP) leisten kann. Es zeigt Optionen für eine langfristige EU-Klimaschutz-Politik auf und analysiert diese. Im Rahmen des Übereinkommens von Paris (ÜvP) sind jetzt die Mitgliedsländer aufgerufen bis 2020 eine Langfrist-Klimaschutzstrategie vorzulegen, mit der sie darlegen, auf welche Weise sie die Umsetzung des ÜvP unterstützen werden.

Es ist eigentlich sonnenklar: Ein Abwenden von immer größer werdenden Klimakatastrophen ist nur möglich, unter Mitwirken von jeder und jedem Einzelnen von uns. Klimaschutz geht uns alle an. Klimaschutz beginnt bei der Gestaltung unseres persönlichen Lebensalltags in vielen Bereichen: Mobilität, Ernährung, Wohnen, Energie und mehr. Manche Entscheidungen liegen direkt in unserer Hand, andere in der Hand der Politik. Ganz besonders bedanken möchte ich mich in diesem Zusammenhang bei den jungen Menschen und  "Fridays for future", die in den letzten Monaten begonnen haben, den notwendigen Druck auf die Politik auszuüben – ihr seid großartig! Wobei ich es mit der renommierte Umwelt- und Klimaexpertin Univ. Prof. Dr. Helga Kromp-Kolb von der Universität für Bodenkultur in Wien halte: Es ist eine Schande, dass Minderjährige für ihre Zukunft auf die Straße gehen müssen, weil wir Erwachsenen unsere Klimaschutz-Hausaufgaben nicht erfüllen!

Und wie steht es mit dem Klimaschutz in Floridsdorf?

Wenn Klimaschutz uns alle angeht, geht er die einzelnen Länder, Städte, Gemeinden, ja natürlich die Bezirke an und damit auch Floridsdorf. Eigentlich begann es 2010 ganz hervorragend: Floridsdorf war der erste Bezirk Wiens, der einen Klimaschutzbericht geschrieben hat – eine Bestandsaufnahme des Status Quo und damit eine hervorragende Basis, um weiter darauf aufbauen zu können. Es kam anders. Ein Wechsel innerhalb der SPÖ und ein neuer Vorsitzender des Umweltausschusses führten im wahrsten Sinne des Wortes zum Einschlafen des Arbeitskreises Klimaschutz. Es gibt ihn schon lange nicht mehr. Wir Grünen „feiern“ in Kürze ein ernüchterndes Jubiläum.

Zehn Jahre ist es her, dass die Grünen Floridsdorf kontinuierlich Klimaschutzanträge ins Bezirksparlament eingebracht haben – und keiner, ja KEINER davon wurde seither angenommen. Ob dies vor zehn Jahren unser Antrag auf Mitgliedschaft beim Klimabündnis war, das Abhalten eines eigenen Klimaschutzwettbewerbes in Floridsdorf, die Inanspruchnahme eines klima:aktiv mobil Basischecks, eine kostenlosen Grobchecks zur Ersteinschätzung von CO2 Einsparpotenzialen und möglichen Handlungsoptionen oder – ganz aktuell – unser Antrag auf „50 Grüne Häuser“ in Floridsdorf, eine Initiative zur Fassadenbegrünung, denn Bauwerksbegrünungen kühlen in heißen Sommern durch Verdunstung. Und nun vielleicht doch ein kleiner Hoffnungsschimmer. Der Umweltausschuss wird sich – auf eine neuerliche Initiative von uns Grünen hin – demnächst mit einer möglichen Mitgliedschaft beim Klimabündnis auseinandersetzen. Zehn Bezirke Wiens sind bereits Mitglied und setzen Initiativen zum Klimaschutz.

Grüne Forderung: Eine Klimaschutzstrategie für Floridsdorf!

Wer Klimaschutz ernsthaft betreiben will, braucht mehr als Einzelmaßnahmen: eine konkrete Klimaschutzstrategie. Kann es eine Klimaschutzstrategie nicht nur für die EU und die einzelnen Länder, sondern ebenso für Städte, Gemeinden und Bezirke geben? Ja, selbstverständlich – abgestimmt auf die konkreten Handlungsmöglichkeiten. Auch wenn viele Entscheidungen für den Bezirk auf Stadtebene fallen, so liegen doch zahlreiche Entscheidungen in den Händen des Bezirkes.

Wie könnte die Bezirksvertretung Floridsdorf eine Klimaschutzstrategie für den Bezirk angehen?

  1. Vorbereitende Auseinandersetzung mit
    • der neuen Langfrist-Strategie der EU zur Reduktion von Treibhausgasemissionen: Wie liegt Österreich im Vergleich zu den EU28? Was sind die CO2-Treiber in der EU und in welchen Bereichen besteht der höchste Handlungsbedarf? Welche Maßnahmen setzen andere Länder?
    • dem Klimaschutzbericht Österreichs des Umweltbundesamtes: Was sind die CO2-Treiber in Österreich und Wien und in welchen Bereichen besteht der höchste Handlungsbedarf?
    • Informationen der renommierte Umwelt- und Klimaexpertin Univ. Prof. Dr. Helga Kromp-Kolb von der Universität für Bodenkultur
  2. Erarbeiten diverser klimarelevanter Aktivitätsfelder, die in Bezirksverantwortung liegen und – heruntergebrochen von den europäischen Klimaschutzzielen – erarbeiten von Klimaschutzzielen für Floridsdorf. Denn: Ohne Ziele keine Zielerreichung.
  3. Erarbeiten von einer Vielzahl möglicher Maßnahmen innerhalb der definierten Aktivitätsfelder. Es geht nicht um zweifellos lobenswerte Einzelmaßnahmen (z.B. Begrünung des Mengergassenviertels), sondern um das Erreichen relevanter Klimaziele in Floridsdorf. Und dafür braucht es mehr.
  4. Setzen von Prioritäten: Welche der Maßnahmen in den unterschiedlichen klimarelevanten Aktivitätsfeldern würden dazu beitragen, den CO2 Ausstoß Floridsdorfs möglichst rasch und stark zu reduzieren? Womit erreichen wir also sehr schnell sehr viel? Mit welchen Maßnahmen beginnen wir daher?
  5. Regelmäßige Evaluierung der gesetzten Maßnahmen: Was war besonders hilfreich, um unsere Ziele zu erreichen? Was hat uns besonders gut weitergebracht? Und welche Maßnahmen in welchen Aktivitätsfeldern setzen wir als nächstes?
  6. Veröffentlichung eines regelmäßigen Floridsdorfer Klimaschutzberichtes.
  7. Und nicht zuletzt: Einbeziehung der BürgerInnen in den Prozess – denn Klimaschutzziele werden wir nur erreichen, wenn Politik und BürgerInnen zusammenwirken.

Die Leopoldstadt, seit 2016 mit einer Grünen Bezirksvorsteherin, wird übrigens Wiens erster Bezirk mit einer eigenen Klimaschutzstrategie sein. Diese soll im Herbst 2019 im Bezirksparlament beschlossen werden.

P.S.: Ich freue mich über IHRE Gedanken zum Klimaschutz in Floridsdorf: gabriele.tupy@gruene.at

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