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am 5. März

Land­wirt­schaft in der Stadt? Ja, brauchen wir!

Webredaktion Grüne Floridsdorf - Knapp 40 Teilnehmer*innen waren bei unserem Online-Gesprächsforum am 4. März 2021 zum Thema „Ernährungssouveränität und Landwirtschaft“ dabei. Das zeigt, wie sehr dieses Anliegen auch in der Floridsdorfer Bevölkerung in den letzten Monaten an Bedeutung gewonnen hat.

Schon während der Ankündigung zu unserem Gesprächsforum wurde anhand der eintrudelnden Anmeldungen gleich das enorme Interesse an dem Thema klar. Ein neuer Rekord für uns, was Online-Diskussionsveranstaltungen betrifft, aber gleichzeitig auch ein interessantes Format. Während unsere drei Expertinnen über ihr Fachgebiet referierten, entstand nebenbei im Online-Chat eine lebhafte Diskussion, mit dem mehrfach geäußerten Wunsch, unbedingt eine Folgeveranstaltung abzuhalten.

Durch den Abend führten unsere beiden Bezirksrätinnen Angelika Pauer und Gerda Daniel, die beide schon eine jahrelange Erfahrung in der gemeinschaftlichen Landwirtschaft mitbringen.

Als erste Referentin präsentierte Julianna Fehlinger, Geschäftsleiterin der Österreichische Berg- und Kleinbäuer_innen Vereinigung Informationen über Ernährungssouveränität. Besonders beeindruckend war ihr Erfahrungsbericht von ihrem Hofprojekt „Die Pregärtnerinnen“ aus Oberösterreich, bei dem sie mitgewirkt hat. Dabei wurde ein Milchkuh- und Getreidebetrieb in Pregarten, der von drei Frauen geführt wurde, komplett auf biologische Landwirtschaft und Direktvermartkung umgestellt.
https://www.viacampesina.at/die-oebv/

Unsere zweite Referentin des Abends war Isabella Gusenbauer, Sprecherin des Ernährungsrates Wien. Dieser ist ein zivilgesellschaftlicher Zusammenschluss von engagierten Menschen aus den verschiedensten Bereichen des Wiener Ernährungssystems. Isabella Gusenbauer informierte, dass sich die Stadt Wien 2015 dem Milan Urban Food Policy Pact beigetreten ist und sich damit zu einer nachhaltigen Ernährunfsform bekannt hat. Der Wiener Ernährungsrat beschäftigt sich nun unter anderem damit, wie dieses Ziel erreicht werden kann.
https://ernaehrungsrat-wien.at/

Zuletzt referierte unsere neue Abgeordnete Huem Otero García​, Gemeinderätin der Wiener Grünen. Sie war zuvor bei Greenpeace tätig und dort unter anderem für die Bienenkampagne zuständig. Sie betonte die Wichtigkeit von Stadtlandwirtschaft mit all seinen ökologischen, aber auch sozialen Vorteilen und berichtete vom zähen Ringen in Wien beim Erreichen dieser Ziele.
https://wien.gruene.at/huem-otero-garcia


Nach den drei 10minütigen Einleitungsreferaten stellten einige Gärtner*innen ihre jeweilige Stadtlandwirtschaft in Transdanubien kurz vor, bei der sie tätig sind und erzählten kurz über ihre sehr unterschiedlichen Eindrücke und Erfahrungen. Mit dabei waren Vertreter*innen von:

  • das „Paradeisgartl“ in Donaufeld
  • die gemeinsame Landwirtschaft „Wilde Rauke“ in Stammersdorf
  • die Bio-Brombeer-Plantage in Donaufeld
  • der Gemeinschaftsgarten in Kaisermühlen​
  • die Selbsterntefelder des Biohof Radl mit mehreren Standorten in Transdanubien​

In der folgenden Diskussion ergab sich die gesamte Bandbreite des Spannungsfeldes, in dem wir uns derzeit befinden, und das sich im besonderen in Floridsdorf zeigt: Zum einen ist Verdichtung in der
Stadt aus ökologischen Kriterien sinnvoll und soll der Verhüttelung mit all ihren negativen Folgen entgegenwirken. Durch Höhe kann es gelingen, mehr Freiflächen für die Allgemeinheit zu schaffen. Auf
der anderen Seite ist die Erhaltung fruchtbarer landwirschaftlicher Flächen zur Sicherstellung von Nahversorgung und Ernährungsssouveränität sowie für die Lebensqualität enorm wichtig.

Dieser Konflikt kommt derzeit im Donaufeld stark zum Ausdruck. Unsere Bezirksrätin Ursula Hofbauer, die als Archtiektin maßgeblich an der Erstellung unseres Donaufeld-Konzeptes beteiligt war, ist überzeugt, dass es trotz dieses Widerspruchs gelingen kann, Stadtplanung so umzusetzen, dass man beiden Zielen gerecht wird.

Gemeinsam war allen Anwesenden, dass aufgrund der neuen Herausforderungen durch die Klimakrise und die Corona-Pandemie ein Umdenken stattfinden muss. Mehrfach wurde in der Diskussion daher der Wunsch geäußert, dieses spannende Themenfeld weiter zu diskutieren und gemeinsam Visionen zu entwickeln!

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmer*innen für die spannende Diskussion! Alle drei Refereninnen, sowie unsere Gemeinderätin Heidi Sequenz, die als Gast anwesend war, stellten abschließend fest, dass sie viele Inputs und Eindrücke aus der Diskussionsveranstaltung für ihre weitere Arbeit mitnehmen werden.​​​