Was unsere Stadtbäume wirklich brauchen
Beim Baumspaziergang in Jedlesee zeigte Alexander Mayr-Harting von „Zukunft Stadtbaum“, wie bessere Pflege und kluge Planung unsere Bäume fit für die Klimakrise machen. Und wir informieren, was Du tun kannst bei Schäden an Bäumen oder akutem Handlungsbedarf.




Ein Rundgang mit Blick auf die Bäume vor unserer Haustür
Am 22.6.2026 fand unser Baumspaziergang in Jedlesee statt. Vor der Pfarrkirche Jedlesee am Lorettoplatz versammelten wir uns und betrachteten gleich an diesem Ort die Bäume, die dort wachsen.
Alexander Mayr-Harting, Baumaktivist, Forstwirt und Gründer der Initiative „Zukunft Stadtbaum“ zeigte uns, womit unsere Stadtbäume zu kämpfen haben, wo Verbesserungsbedarf besteht und andererseits auch prächtige, gesunde Baumbeispiele.
Warum die ersten Jahre über das Leben eines Baumes entscheiden
Wenn ein Baum gepflanzt wird, ist die Pflege während der ersten Jahre ausschlaggebend für das gesamte weitere Wachstum und Befinden desselben. Es ist wichtig, dass eine stetige Versorgung mit Wasser gegeben ist. Sei es durch regelmäßig befüllte Gießsäcke, sogenannte Gießstutzen, wobei Wasser in ein Rohr gegossen wird, oder unterirdische, automatische Bewässerungsanlagen – das ist die verlässlichste Variante, allerdings auch mit höheren Kosten verbunden.
Junge Bäume sollten in ihren ersten Jahren einen Kalkanstrich erhalten, der sie vor „Sonnenbrand“ schützt. Unerwarteterweise ist die Gefahr des „Sonnenbrands“ bei Bäumen in den Wintermonaten am größten, da hier der Temperaturunterschied zwischen Tag mit (Sonneneinstrahlung) und Nacht am größten ist. Leider konnten wir solche Schäden an mehreren Bäumen vorfinden. Wie bereits beschrieben, könnte dies leicht verhindert werden mit der nötigen (und nicht sehr aufwendigen) Pflege.
Mähschäden, Hundeurin und Streusalz: Die unterschätzten Belastungen
Sehr wichtig für junge aber eigentlich für alle Bäume ist ein Schutz vor Mähschäden. Leider werden bei uns oft zu große Mähmaschinen eingesetzt und es wird zu wenig Abstand von den Baumstämmen, bzw. oberflächlich liegenden Wurzeln eingehalten. Eine sogenannte Manschette oder bei größeren Bäumen ein kleiner Zaun, könnten Abhilfe schaffen. Auch wenn ein Mähschaden einen Baum nicht gleich tötet, so einen Schaden muss man sich vorstellen wie eine offene Wunde. Durch mehrmals hinzugefügte Wunden wird die Pflanze geschwächt und ist anfälliger gegenüber anderen Krankheiten.
Ein Stadtbaum am Rande eines Gehweges oder eines Parks wird häufig gut von Hunden besucht und dient zur Entleerung der Blase. Leider setzt auch das den Bäumen zu; ein Baum der viel mit Harnsäure in Kontakt kommt, ist oftmals zu erkennen an der weißlich verfärbten Rinde.
Verbreitet bekannt ist, dass Salzstreuung in den Wintermonaten ebenfalls unsere Bäume negativ beeinflusst. Eigentlich gibt es bei uns in Wien recht strenge Gesetze, die übermäßige Salzaufbringung verhindern sollten, aber anscheinend wird dem nicht zur Genüge nachgegangen. Es ist ein Dilemma – einerseits wäre es gut, wenn Regen- oder Schmelzwasser durch gezielte Schräglage von Verkehrsflächen in Baumscheiben versickern könnten, andererseits müssen Bäume vor dem zeitweise enthaltenen Salz geschützt werden, da dieses ihnen schwer zu schaffen macht.
Gelungene Beispiele zeigen, wie Stadtbäume gedeihen können
Alexander Mayr-Harting zeigte uns nicht nur traurige Beispiele. Wenn man in der Stadt viel unterwegs ist, kann man auch etliche prächtig gedeihende Bäume finden. Eine bereits sehr alte, aber vor Kraft strotzende Linde findet sich direkt am Spielplatz auf der Lorettowiese, neben dem Sandspielbereich. Hier gibt es ein Wasserspiel, wobei viel von dem Wasser in der Erde versickert und dem Baum zu Gute kommt. In Wien werden häufig Nebelstelen oder Wasserspiele zur Abkühlung an heißen Tagen installiert. Es wäre großartig wenn man bei der Errichtung darauf achten könnte, dass auch die Pflanzen der Umgebung davon profitieren können.
Klimakrise verlangt neue Strategien für den Baumbestand
In Zeiten der Klimakrise in der wir uns befinden, kommt es immer häufiger und auch immer länger zu Dürreperioden. Sogar in den noch kühleren Monaten gab es in den letzten Jahren oft sehr wenig Niederschlag. Und dieses Defizit an Feuchtigkeit hält dann bis zum Sommer an, wo das Problem durch die Hitze und Trockenheit noch verstärkt wird. Im Frühjahr 2026 hatten wir bereits ein rekordverdächtiges Niederschlagsdefizit von 50%. (https://www.bmluk.gv.at/themen/wasser/wasser-oesterreich/hydrographie/wasserbilanz/fruehling2026.html)
Vielfalt statt Monokultur: Die richtigen Bäume für die Stadt
Es gibt in Wien bereits schon seit vielen Jahren etliche „exotische“ Baumarten. Bäume, die normalerweise in trockenen, heißen Regionen wachsen, kommen mit der Erhitzung bei uns besser zurecht als andere heimische Sorten. Beispiele wie der Zürgelbaum, die Blasenensche, der Blauglockenbaum, Gingko, Platane.. Allerdings sind Arten zu meiden, die unsere heimischen Arten verdrängen (zB. Akazie bzw. Robinie, Götterbaum).
Aber wie auch in anderen Fällen ist eine einseitige Bepflanzung in der Stadt zu vermeiden. Eine Mischung aus unterschiedlichen Baumarten bringt Vielfalt in eine Stadt und falls eine Baumsorte mal von einer Krankheit oder einem Schädling heim gesucht wird, so gibt es idealerweise viele unterschiedliche andere Bäume, die nicht unter dem gleichen Problem leiden. Natürlich ist es wichtig in der Stadt Bäume zu wählen, die große Kronen bilden und somit viel Schatten spenden und durch Verdunstung über ihre Blätter die Umgebungstemperatur senken.
Das Schwammstadt-Prinzip: Mehr Wasser für Bäume, weniger Probleme bei Starkregen
Auch über das „Schwammstadt-Prinzip“ wurde während der Führung diskutiert. Dabei erhält der Baum in seinem Wurzelbereich, der sich auch unter Verkehrsflächen befinden kann, mehr Platz in dem sich Wasser und Feuchtigkeit sammeln kann. Diese wiederum wird langsam vom Baum verwendet. Dieses Prinzip kann auch Schäden durch Starkregen verringern.
Gemeinsam für gesunde Bäume in Floridsdorf
Es war ein sehr gelungener Baumrundgang mit viel fachlichen Information von Alexander Mayr-Harting und auch interessierten Teilnehmer*innen.
Wenn man Schäden an Bäumen oder akuten Handlungsbedarf sieht, kann man sich direkt an das Bürgerservice der Stadt Wien wenden, zB. über die App „Sag’s Wien“. Auch dringenden Bewässerungsbedarf kann man hier melden.
Du kannst auch gerne mit uns Kontakt aufnehmen, wenn du im Bezirk Probleme mit unseren Bäumen wahrnimmst oder besonders erwähnenswerte, positive Beispiele kennst. Auch wenn du der Meinung bist, dass ein Baum zu einem Naturdenkmal ernannt werden sollte, freuen wir uns davon zu hören/lesen.
Wir wünschen einen angenehmen Sommer umgeben von viel Baumschatten und angenehm kühler Luft!
Interessante und weiterführende Links
https://www.zukunft-stadtbaum.at/
https://www.wien.gv.at/umwelt/streumittel-einsatz
https://www.wien.gv.at/umwelt/baumsortiment
https://www.schwammstadt.at/tatsachen
https://science.orf.at/stories/3235898/
https://baumkarte.at/
https://www.wien.gv.at/umweltgut/public/grafik.aspx?ThemePage=11